Das Problem von fünf Gramm Butter

Immer häufiger leiden schon Kinder an Magersucht. Die Krankheitsverläufe sind dann besonders schwer und langwierig.

[ Süddeutsche Zeitung, 17. Juni 2011]

An einem Tag im September beschließt Nadine, nicht mehr regelmäßig zu essen. Anfangs verzichtet sie auf Fleisch, dann auf die geliebten Süßigkeiten. Sie spart das Frühstück ein, später auch die Mittagsmahlzeit. Sechs Monate nach ihrem Beschluss und kurz bevor sie im Krankenhaus vorstellig wird, besteht Nadines Tagesration nur noch aus einem Löffel Apfelmus und einer Scheibe Brot.

Bei einer Größe von 1,72 Meter wiegt sie 44,9 Kilogramm.

In ihrem alten Leben aß Nadine gerne Semmelauflauf mit Rosinen und Äpfeln, fuhr Einrad und freute sich an Insekten, die sie beim Krabbeln in der Natur beobachtete. Sie war ein fröhliches, aufgeschlossenes Mädchen, das gerne zur Schule ging, sagt die Mutter.

In ihrem neuen Leben kann Nadine nicht einmal mehr ein trockenes Brötchen essen, ohne daran zu denken, sie könne fett werden. Alles dreht sich um das Thema Essen oder vielmehr darum, es nicht zu tun. Hungern ist zu ihrer Obsession geworden; wenige Kilos auf der Waage und gute Schulnoten seien das Einzige, worüber sie sich noch freuen könne, sagt Nadine. Sie ist zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt.

Das Mädchen leidet an Magersucht – einer Krankheit, die Experten zunehmend auch bei Kindern beobachten und die zu den schwersten psychosomatischen Erkrankungen zählt. Zwar bleibt die Anzahl der Anorexiepatienten seit Jahren in etwa konstant; im bekannten Risikoalter zwischen 13 und 25 Jahren erkrankt etwa jeder Hundertste, die meisten sind Frauen oder Mädchen. „Aber im Klinikalltag kann man in den vergangenen 20 Jahren klar beobachten, dass die Patienten immer jünger werden“, sagt Ernst Pfeiffer, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Charité Berlin. Im Jahr behandelt er bis zu drei Kinder im Alter von zehn bis elf Jahren, die an Magersucht leiden. Die Fälle seien selten – noch. Doch Patientinnen im Alter von zwölf bis 14 Jahren sind schon heute die Regel. Früher waren sie die Ausnahme.
Im Therapiezentrum für Essgestörte (TCE) in München ist Nadine momentan die jüngste Patientin, vor einigen Wochen erst hat sie ihren 13. Geburtstag gefeiert. Doch in diesen Tagen bezieht ein elfjähriges Mädchen sein Klinikbett; das Kind leidet bereits seit zwei Jahren an Magersucht. „Vor zehn Jahren, als ich hier angefangen habe, hat es so etwas nicht gegeben“, sagt Karin Lachenmeir, die Leiterin des TCE.

Nadine ist es egal, was die Experten sagen. Ihre Gedanken kreisen momentan allein um die Frage, ob sie in den vergangenen Tagen zugenommen hat oder nicht. Es ist ein Montagmorgen, acht Uhr, gleich muss sie zum Wiegen antreten. Das Wochenende hat sie zu Hause verbracht. Es war kein gutes; wieder hatte Nadine Streit mit ihren Eltern, weil sie ihren streng geregelten Essensplan nicht einhalten wollte. Eigentlich hätte sie am liebsten gar nichts gegessen, sie überlegt, ob sie die Therapie abbrechen soll. Das Mädchen sitzt im Gruppenraum auf dem Fußboden, den Rücken an die Wand gelehnt, die dürren Beine fest an den Körper gezogen. Mit ihrem hellen Teint, den hohen Wangenknochen und den langen blonden Haaren wirkt Nadines Gesicht wie das einer Porzellanpuppe; es ist auch fast so regungslos. Sie spricht kaum ein Wort, ihr Blick geht schüchtern Richtung Fußboden. Auch die anderen vier Patientinnen sagen nur das Nötigste. Als die Diätassistentin aus dem Wiegezimmer „Die Nächste bitte!“ ruft, steht niemand auf. Nadine hat Angst. Schließlich erhebt sie sich doch, ihr Körper wirkt dabei irritierend verzerrt; der Kopf viel zu groß, der Rumpf mit den staksigen Beinen viel zu dünn. „War’s gut?“, fragt eines der anderen Mädchen, als Nadine vom Wiegen zurückkommt. „Für mich gut, für hier schlecht“, sagt sie und lächelt schuldbewusst. Sie hat zwar zugenommen in den vergangenen beiden Tagen, 50 Gramm immerhin, aber das für alle gültige Wochenziel von 500 Gramm trotzdem nicht erreicht – schon zum zweiten Mal nicht. Es ist Nadines dritte Therapiewoche, seit ihrer Ankunft hat sie gerade einmal 200 Gramm zugenommen. Für sie bedeutet das: Ihre Essensportionen werden hochgestuft, sie muss nun einen „Gewichtsvertrag“ abschließen. Für die nächsten zwei Wochen verpflichtet sie sich schriftlich, die jeweils 500 Gramm wirklich zuzunehmen.

Die Regeln im TCE sind streng, der Wochenplan ist straff. Jeden Tag zwei Stunden Schulunterricht, anderthalb Stunden Gruppentherapie, dazu Körper-,Verhaltens-und Einzeltherapie über die Woche verteilt, mehrere Mahlzeiten am Tag; all das soll dazu dienen, die Mädchen wieder an eine feste Essstruktur zu gewöhnen und ihr Gewicht schnell zu erhöhen. Denn im Extremfall kann die Magersucht zum Tod führen, etwa fünf Prozent aller Patienten sterben daran. Einen einzigen Nachmittag in der Woche haben die Mädchen frei – „Spaß am Leben“ steht für diese Zeit auf dem eng beschriebenen Stundenplan.

Seit Februar läuft das Kinder- und Jugendkonzept für Essstörungen am TCE, das sich speziell an besonders junge Patientinnen im Alter von zwölf bis 15 Jahren richtet. Zu wenige Einrichtungen seien darauf spezialisiert, sagt Therapeutin Miriam Rödhammer. Dabei benötigen die jungen Patientinnen teils eine andere Therapie als die älteren, so spielen die Eltern eine weitaus wichtigere Rolle. Wie sehr die Mädchen noch immer Kind sind, wird spätestens in der Wochenendbesprechung an diesem Morgen deutlich: Nadine ist enttäuscht, dass ihre Eltern sich keine Geburtstagsüberraschung für sie ausgedacht haben; ein anderes Mädchen nennt den Fernsehabend mit Mama und Papa sein Wochenend-
Highlight, „das war so schön kuschelig und gab es schon lange nicht mehr“; und wieder ein anderes hatte Streit mit seiner Mutter. Traurig blickt das Mädchen ins Leere und umfasst dabei seine Knie. „Dabei weiß ich gar nicht, warum wir eigentlich gestritten haben.“

Sie alle werden mehrere Wochen in der Klinik bleiben müssen, wenn nicht sogar mehrere Monate. Bis es den Patientinnen dauerhaft bessergeht, ist es ein langer Weg. Die Magersucht beißt sich fest in ihrem Kopf und zerrt an Körper und Psyche. Häufig entwickeln sie weitere Krankheiten wie schwere Depressionen und Zwangshandlungen. Viele Mädchen mitMagersucht sind stark leistungsorientiert und sehr intelligent. Nadine ist eine gute Schülerin, die freiwillig den verpassten Schulstoff nacharbeitet. Andere Kinder würden sich freuen, wenn sie für einige Wochen den Unterricht versäumen dürften, Nadine hingegen verbringt die Wochenenden mit Hausaufgaben. Ihren Klassenkameraden hat sie eine Tabelle geschrieben, dort sollen ihre Freundinnen für sie den gesamten Lernstoff detailliert notieren. Es geht um Kontrolle. Und die gibt niemand gerne her. Deswegen ist die Magersucht so hartnäckig.

Für jede Mahlzeit im TCE gibt es daher feste Regeln, die eingehalten werden müssen: normales Esstempo, während der Mahlzeiten keine Gespräche übers Essen, den Löffel voll machen, alles aufessen. Jede Patientin muss zum Frühstück und Abendessen mindestens eine Portion Butter von fünf Gramm zu sich nehmen – für Nadine und die meisten anderen ein Problem, so wie jetzt beim Frühstück. Akribisch und mit höchster Aufmerksamkeit, so als hantierten sie mit einer gefährlichen Chemikalie, schneiden sich die Mädchen unter den Augen der anderen ein Stück Butter zurecht. Nadine hält den schmalen Streifen auf ihrem Messer in die Luft, kneift die Augen kritisch zusammen und dreht das Messer langsam, sodass alle die Butter darauf sehen können. Erst wenn die anderen Mädchen die Portionsgröße abgenickt haben, kommt die gelbe Masse auf die Brezel. Nadine schmiert ihre mit einem solchen Ernst, als löse sie eine schwierige Mathematikaufgabe.

Nachdem auch die anderen ihre Portionen zubereitet haben, stellt sie eine Eieruhr auf 20 Minuten, in dieser Zeit müssen alle aufgegessen haben. Nadine wirkt gequält. Nach der Mahlzeit, wenn die Mädchen besprechen, wie sie sich während des Essens gefühlt haben, wird sie sagen, dass sie jetzt ein sehr schlechtes Gewissen habe. Ihre Portion sei zu groß gewesen, und dann auch noch die Butter.

Warum schon Kinder ein Problem mit fünf Gramm Butter bekommen und an Anorexie erkranken, darüber rätseln die Experten noch. Sie können viele Fragen zur Magersucht nicht beantworten, etwa welche Rolle die Hormone spielen oder warum Mädchen viel häufiger erkranken als Jungen. Fest steht: Es gibt kein einheitliches Muster, das sich auf alle Kinderpatienten anwenden ließe; die Erkrankung ist immer ein Zusammenspiel mehrerer Ursachen. Eine davon ist die Pubertät, die heute wegen der besseren Ernährung viel früher einsetzt als noch vor zehn oder 20 Jahren – für viele Kinder zu früh. „Ich denke, das ist ein entscheidender Grund“, sagt Beate Herpertz-Dahlmann, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aachen. „Die Lebenswirklichkeit eines zwölfjährigen Kindes ist heute eine ganz andere als noch vor 30 Jahren“, ergänzt der Berliner Oberarzt Pfeiffer. Themen wie Aussehen und der eigene Körper werden heute viel früher diskutiert, schon auf den Höfen der Grundschulen. Rund 20 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter von elf Jahren haben eine auffällige Einstellungzum Essen, wie eine Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen vor fünf Jahren ergab. Sie machen sich Sorgen um ihre Figur oder sagen, ihr Leben sei sehr vom Thema Essen beeinflusst.

Experten nehmen außerdem an, dass die Magersucht auch familiäre Ursachen haben muss. „Zehn bis 15 Prozent der Kinder, die in ihrem nahen familiären Umfeld mit Fällen von Magersucht konfrontiert sind, erkranken ebenfalls“, sagt Beate Herpertz-Dahlmann. Umstritten ist die Rolle der Medien, die Schlanksein als Schönheitsideal propagieren. Ernst Pfeiffer hält die Diskussion für übertrieben. „Der Einfluss von Sendungen wie ,Germany’s Next Topmodel‘ wird überbewertet“, sagt er. Auch die Situation zu Hause lässt nicht immer Rückschlüsse auf die Ursache der Erkrankung zu. So kann eine Essstörung beispielsweise eine Reaktion auf eine Trennung der Eltern ein – aber sie muss es nicht. Auch andere persönliche Belastungen spielen mitunter eine große Rolle. Oftmals können Mädchen, die magersüchtig werden, nicht gut mit emotional belastenden Situationen umgehen, sie werden schneller aus der Bahn geworfen.

So war es auch bei Nadine. Als ihr erster Freund sich von ihr trennte, war das für sie zu viel. Ihre Therapeutin Miriam Rödhammer glaubt allerdings, das Ereignis sei allenfalls der Auslöser gewesen und nicht die eigentliche Ursache. Welche das ist, weiß die Therapeutin nach den ersten drei Wochen allerdings noch nicht, dafür sei es zu früh. Auch kann sie nicht sagen, ob Nadine jemals wieder ganz gesund werden wird. Über die Therapieerfolge bei Kindern sind sich die Experten uneins. Karin Lachenmeir spricht von Heilungschancen um die 75 Prozent. „Sie liegen deutlich höher als bei erwachsenen Patienten, allerdings sind die Kinder schwerer zu motivieren“, sagt sie. Beate Herpertz-Dahlmann
hat jedoch bei Kindern von elf bis 13 Jahren deutlich schlechtere Heilungschancen beobachtet als bei älteren. Die Krankheitsverläufe bei kindlichen Patienten sind außerdem oft besonders schwer und langwierig. Nadine wird kämpfen müssen, jeden Tag.

Die montägliche Gruppentherapie hilft dabei. Heute sollen die Mädchen sich ein positives Wochenziel setzen. Eines wünscht sich, „dass ich mich am Ende der Woche wohler fühle mit meinem Körper“. „Und woran könntest du das merken?“, fragt Miriam Rödhammer. Das Mädchen überlegt kurz. „Vielleicht daran, dass ich beim Sitzen nicht die ganze Zeit einen Bauch anspanne und auch mal die Oberschenkel locker auf den Stuhl lege“ – sie will sich lösen von den Methoden, mit denen Magersuchtpatienten versuchen, möglichst viele Kalorien zu verbrauchen Nadine wünscht sich bessere Laune. „Auf einer Skala von eins bis zehn so bei zwei bis drei. Das würde mir erstmal reichen.“


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