Der Soldat in Chucks

von Justus Bender und Esther Göbel

Omar al-Bariki studiert in Berlin. Als sein Bruder in Libyen erschossen wird, lässt er seine Bücher liegen und zieht in den Krieg

[DIE ZEITCampus, Dezember 2011]

Als er die Bilder aus Libyen sieht, sitzt Omar al-Bariki in Berlin an seinem Schreibtisch. Rauchwolken flimmern über seinen riesigen Flachbildschirm, auf dem er sonst Spielfilme guckt. Es ist der 25. Juli 2011, Libyen wird von Kampfjets bombardiert. Omar kann sich kaum auf seine Bücher konzentrieren. Irgendwo in dem Rauch und den Explosionen ist seine Familie. Omar wählt die Nummer seines Vaters. »Hallo, mein Sohn«, sagt der pensionierte Vier-Sterne-General der libyschen Armee. Seine Stimme klingt stockend. »Ich muss dir etwas sagen.« Er macht eine Pause. »Dein Bruder Abdullah ist tot. – Soldaten haben ihn erschossen.« Omar legt auf, die Tränen laufen ihm über die Wangen. Vor Trauer, aber auch vor Zorn. »Ich hatte auf einmal diese Riesenwut«, sagt Omar, als er von dem Tag erzählt. Er ruft Ahmed in Libyen an, einen seiner fünf Brüder, das Gespräch ist kurz. Ahmed sagt: »Du willst kämpfen? Bleib in Deutschland! Wie willst du denn kämpfen? Sie brauchen keine Leute mehr!« – »Halt den Mund!«, schreit Omar ins Telefon. »Halt den Mund, Ahmed! Ich fliege!«

 

Omar al-Bariki trägt einen dünnen Kinnbart und Röhrenjeans, er liest gerne Kafka, und wenn er Deutscher wäre, würde er die Grünen wählen, sagt er. Am Wochenende geht er ins Berghain, den Elektroclub, kifft mit Kumpels und knutscht mit Mädchen. Wir treffen Omar an der TU Berlin. Seit vier Jahren studiert er hier Energie- und Prozesstechnik. Wir haben in der Zeitung gelesen, dass er in Libyen gekämpft hat, und wollen wissen, wie es wirklich war. Was er erlebt hat. Und wie es ihm jetzt damit geht, da er wieder zurück in Deutschland ist.
Es ist ein langer Weg von der Kastanienallee in Prenzlauer Berg bis nach Tripolis. Libyen ist 4000 Kilometer entfernt, die Nato hat eine Flugverbotszone eingerichtet, es gibt keine Verbindungen in das Land. Omar bucht einen Flug nach Djerba in Tunesien, ohne Rückflugticket. Mit einem Kugelschreiber kritzelt er sein Testament, notiert den Namen und die Telefonnummer seines Bruders Mohammed in Kanada und die Namen der Kommilitonen, denen er noch Geld schuldet. An seine Eltern schreibt er: »Es tut mir leid. Ich habe euch nicht Bescheid gesagt. Ich werde kämpfen. Wenn ich sterbe, sehen wir uns im Himmel wieder.«

 

Seinem Mitbewohner gibt Omar seine Bankkarte, seiner damaligen Freundin in Würzburg hinterlässt er nichts. Sie weint am Telefon, bittet ihn, in Deutschland zu bleiben. »Ich kann nicht«, antwortet Omar und legt auf. Er packt seinen kleinen bunten Rollkoffer: ein paar Klamotten, seine Chucks, Henning Mankells Die weiße Löwin, ein Bild seines toten Bruders. Auch zwei Bücher aus dem Studium nimmt er mit, Strömungslehre und Mechanik. Vielleicht bleibt Zeit, nebenbei zu lernen, denkt Omar. Eigentlich hat er einmal vorgehabt, eine Solarzellenfirma in Libyen aufzubauen, wenn er nach dem Studium in seine Heimat zurückkehrt. Jetzt kommt er, um im Bürgerkrieg zu kämpfen.

 

Am 5. August landet Omar auf Djerba, einer Palmeninsel im Mittelmeer. Die Touristen, mit denen er an der Busstation wartet, fahren in ihre Resorts in Strandnähe. Omar kauft zwei Fahrkarten für den Bus nach Tataouine, er will alleine sitzen, mit niemandem reden. Die letzten 100 Kilometer fährt er mit dem Taxi, bewaffnete Kämpfer der Revolutionsbewegung bewachen den Übergang. »Ich will kämpfen, wo soll ich hingehen?«, fragt Omar.

»In Tripolis brauchen sie noch Kämpfer«, sagt man ihm, »aber geh erst nach Nalut.« Dort, in den Nafusa-Bergen, liegt eine Kaserne der Rebellen. Omar macht sich in einem Omnibus auf den Weg. Auf dem Fußballplatz einer Schule in Nalut, wo sonst Kinder spielen, schießen die Rebellen auf Zielscheiben mit dem Foto von Muammar al-Gadhafi. Der Ausbilder mustert Omar und schüttelt den Kopf. Omars rechter Arm ist kürzer als sein linker. Bei einem Autounfall in der Kindheit hat sich ein Metallstück in seine Schulter gebohrt und den Nerv zerstört. Seitdem macht er alles mit der linken Hand. »Wie willst du so kämpfen?«, fragt der Ausbilder. »Geben Sie mir eine Chance, ich will es versuchen«, sagt Omar. Sie gehen auf den Fußballplatz, und Omar schießt zwei Kugeln direkt ins Schwarze, über eine Distanz von 100 Metern, er ist ein Naturtalent. Der Ausbilder ist beeindruckt, er überreicht Omar seine eigene Kalaschnikow und sagt: »Dein Gewehr muss wie deine Freundin sein, niemand sonst darf es anfassen!«

 

Omar erinnert sich nicht, dass jemand danach gefragt hätte, wer er ist, wo er herkommt oder warum ein Student aus Berlin sich freiwillig meldet. Die Revolutionstruppen brauchen jeden Mann. Eine Woche lang bleibt Omar in Nalut, übt das Kämpfen, mit der Panzerfaust auf der linken Schulter, mit dem Gewehr in der linken Hand. Omar trägt eine Armeehose in Wüstenflecktarn und ein T-Shirt der Revolutionsbewegung, dazu seine Chucks aus Berlin, den ganzen Krieg lang. Nach der Woche kann Omar zielen, schießen und nachladen. Er bekommt einen Armeeausweis für das Tripolis-Bataillon. Auf dem Foto posiert er mit Soldatenmütze, daneben stehen sein Name, seine Blutgruppe Null negativ und seine Nummer, die 641. Omar steckt den Ausweis ins Portemonnaie, neben den Studentenausweis.

 

Heute, nur acht Wochen später, steht Omar in Berlin in der Schlange zum Studentensekretariat. Er hat keine Studiengebühren bezahlt, als er im Krieg war. Nun muss er die Überweisung nachreichen, damit er sein Semesterticket bekommt. Also geht Omar zum Automaten, zieht seine Nummer, die 57, und stellt sich mit einem Pappbecher voll Kaffee in der Hand in die Reihe. Auf der Anzeigetafel steht: 22. Omar seufzt leise. Man sieht ihm den Krieg nicht an. Als er uns bittet, ihn von rechts anzusprechen, »weil ich halb taub bin auf dem linken Ohr«, vom Abfeuern der Panzerfäuste ohne Gehörschutz, wenden einige in der Warteschlange irritiert den Kopf. Ein Freund kommt vorbei, er umarmt ihn. »Digger, wie geht’s?«, sagt Omar. Für seine Freunde hat er immer gute Laune. Über das, was er erlebt hat, redet er nicht.

 

Wenn Bekannte ihn fragen, wie es in Libyen war, erzählt er von den Verbrechen des Regimes wie ein Nachrichtensprecher, nicht wie jemand, der dort war. »Ich erzähle nicht, dass ich Menschen getötet habe, weil nicht alle das verstehen würden.«

 

Es gibt ein Video auf Youtube, das Omar beim Kämpfen zeigt. Durch Zufall hat ihn ein Kriegsreporter bei einem Gefecht in der Wüste gefilmt. Mindestens drei Menschen hat Omar getötet. An den ersten erinnert er sich noch genau. Omar ist Teil eines Stoßtrupps, der in Buslim, einem Stadtviertel von Tripolis, ein Gebäude der Landwirtschaftsbehörde stürmen soll. Soldaten feuern mit Maschinengewehren aus einem Fenster. Mit drei Kämpfern stürmt Omar ins Treppenhaus. »Ich habe gebrüllt: Ergebt euch und wir lassen euch laufen! Aber es kam keine Antwort.« An diesem Morgen ist Omar sehr müde. Es ist Ramadan, er hat seit dem Morgen nichts getrunken. »Trotzdem habe ich geschwitzt, es war so heiß.“

 

Omar spricht ohne Hast über diesen Tag, aber mit Trauer und Müdigkeit in der Stimme. »Ein Kamerad trat mit Anlauf gegen die Tür, sie fiel aus den Angeln, da sprang uns ein libyscher Soldat entgegen, mit einem Maschinengewehr in der Hand. Ich habe schneller geschossen als er.« Der Lärm der Kalaschnikow donnert durch das Treppenhaus, Ratatatatam. Von fünf Schüssen in die Brust getroffen, sackt der Soldat in sich zusammen. »Allahu Akbar!«, Gott ist groß, brüllen die Kameraden, während sie die anderen Soldaten erschießen.

 

Beim Erzählen schiebt Omar das Kinn vor, seine Augen blicken starr ins Nichts. Manchmal fallen ihm deutsche Wörter nicht ein, er fragt dann: Wie heißt das, ein toter Mensch? Leichnam, antworten wir. Was er sagt, können wir nicht nachprüfen, aber Omar wirkt nicht wie ein Aufschneider. Er quält sich durch seine Berichte, Satz für Satz, lieber würde er nicht erzählen, aber er lässt sich Fragen gefallen. Also fragen wir, was er gefühlt hat, als der Soldat tot vor ihm lag. »Ich habe nichts gefühlt«, sagt er. »Auch heute habe ich kein Mitleid. Diese Soldaten waren Arschlöcher. Sie haben Frauen vergewaltigt und 35 000 meiner Landsleute getötet, sie hatten es verdient, jeder Einzelne.«
Eine Studentin, die vor ihm in der Warteschlange steht, räuspert sich. »Ich glaube, dass Gott einverstanden ist mit dem, was wir getan haben«, sagt Omar. Dann blinkt auf der Anzeigetafel die 57 auf. »Ihr seid die Letzten, denen ich diese Geschichten erzähle. Danach will ich sie einfach nur vergessen.«

 

Seit er aus Libyen heimgekehrt ist, geht Omar oft mit Kommilitonen tanzen, weil er unter Menschen sein will. »Ich will nicht alleine sein!«, sagt er. Er lädt uns ein, ins Cake mitzukommen, einen Balkanclub in Prenzlauer Berg. Manchmal, wenn Omar unterwegs ist, macht er kleine Verrücktheiten, springt am U-Bahnhof auf die Gleise und tanzt auf den Schienen. »Seit ich in Libyen war, habe ich vor nichts mehr Angst«, sagt er.
Es ist der Tag nach Gadhafis Tod. Das Cake ist nicht viel mehr als ein kleiner Raum,es riecht nach Aschenbechern und Schweiß, die Tanzfläche ist nur zwölf Quadratmeter groß. Die Besucher tragen bunte Shirts und Hornbrillen. Omar trinkt Wodka, hüpft zur Musik und macht ein Peace-Zeichen für unsere Kamera. Es ist schon gegen drei Uhr, als er an die Bar geht und einen Tequila bestellt. Plötzlich schließt er die Augen und presst beide Lippen aufeinander. »Was ist los?«, fragen wir. »Abdul«, sagt er und schüttelt den Kopf.

 

»Wir haben uns sofort gut verstanden, wir waren unzertrennlich«, erzählt Omar. Abdul Rahman ist ein 23 Jahre alter Ingenieurstudent aus Tripolis, der wie Omar in das Ausbildungslager in Nalut gekommen ist, um zukämpfen. Die beiden helfen sich. Abdul will Deutsch lernen, also bringt Omar ihm einige Sätze bei: Wie geht es dir, mir geht es gut, ich heiße Abdul. Im Gegenzug lehrt Abdul ihn, Scharfschützen in ihren Verstecken mit der Panzerfaust zu töten.
Abdul stirbt an einem Samstagmorgen, am 20. August zwischen neun und zehn Uhr. An diesem Tag sind sie früh aufgewacht, in Jadda’im, einem kleinen Ort 46 Kilometer vor Tripolis. Während der Kämpfe schlafen sie höchstens vier Stunden pro Nacht, meistens in verranzten Hotels, die am Rande der Küstenstraße nach Tripolis liegen. Der Kommandeur der Revolutionstruppen hat nur einen Befehl, denselben jeden Tag: »Weiter, nach Tripolis! Immer weiter!«

 

Sie haben keine Ahnung, dass die Front an diesem Morgen vor ihrer Hoteltür verläuft, es gibt nur wenige Funkgeräte und viel Chaos. Über ihren Köpfen donnern französische Kampfjets durch die Wolken. Am Abend vorher haben sie noch gemeinsam ein Lied gesungen, das Mut machen soll. Die Revolutionäre singen es oft, der Text besteht aus vier Zeilen, die als Gesang einfach klingen, aber kraftvoll:

Libyen hat gerufen, Libyen hat gerufen
Und wir sind bereit zu kämpfen.
Ich liebe dich, Libyen.
Wir wollen als Märtyrer sterben.

Sie saßen im Hotelzimmer und fummelten Patronen in die Magazine ihrer Kalaschnikows, wie jeden Abend. »Hast du Angst?«, fragte Omar. »Ja«, sagte Abdul. »Wir müssen keine Angst haben. Wir werden shahid sein, Märtyrer«, sagte Omar. Abdul nickte. »Du hast recht.« Es war das letzte wirkliche Gespräch zwischen den beiden.

 

An jenem Morgen steigen sie vor dem Hotel in ihren Jeep, Abdul steht an einem schweren Maschinengewehr auf der Ladefläche, Kaliber 14,5 mal 114 Millimeter, sowjetische Bauart, stark genug, um durch Mauern zu schießen. Sie fahren zu einem Bauernhof, der ein geheimes Munitionslager ist, Omar steigt ab, läuft hinter eine Mauer, um Munition zu holen, da spürt er eine Druckwelle von hinten, sieht ein grelles Licht und hört dieses unwirkliche Geräusch, tief und mächtig: Kawumm.
»Es war schlimm«, sagt Omar. Er lehnt an der Theke und beachtet den Tequila nicht, der vor ihm steht. Omar spricht stockend und starrt auf den Boden. Hinter ihm zappeln die Tänzer weiter. »Ich habe so viel geweint«, sagt Omar und schüttelt den Kopf, »so viel. Abdul hatte große Träume.« Das habe ihm imponiert, sagt er leise. »Obwohl seine Familie arm war, wollte er Großes erreichen, er wollte Englisch lernen, sein Studium abschließen und nach Kanada auswandern.« Mit einem Ruck greift Omar zum Glas und stürzt den Tequila hinunter. »Ich sehe den Moment immer wieder vor mir.« Jadda’im. Sein Satz zu Abdul: »Ich hol die Munition!«, der Gang hinter die Mauer, nur 50 Meter entfernt, und dann: Kawumm.
Über der Mauer sieht Omar einen Feuerball, schwarz und gelb. Er sieht, wie Einzelteile in alle Richtungen schießen, Blechteile, Gewehre, Fetzen von Kleidung. Der Jeep ist von einer Rakete getroffen worden. Ein Soldat des Regimes hat sie aus dem Hinterhalt abgefeuert. Als der Donner verhallt ist, bekommt Omar den Befehl, einen Beutel zu nehmen und mit bloßen Händen die Gliedmaßen seines Freundes aufzusammeln, für das islamische Begräbnis. Er stapft los, weinend, schwindelig, über die verbrannte Erde, um das Wrack herum, und sammelt. Bückt sich, hebt Körperteile auf, steckt seinen Freund in den Beutel. Ein Fuß, ein Unterarm, ein Kopf. Er küsst Abduls Kopf. Dann legt er ihn in die Tüte.

 

Omars bester Freund ist Taha Uysal, ein Deutschtürke, der in Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Wir telefonieren mit ihm in Istanbul, wo er ein Auslandssemester macht. Obwohl Omar und Taha sehr gute Freunde sind, weiß Taha nicht viel über Omars Erlebnisse. Bei einem Kurzbesuch in Deutschland stellt er Omar keine Fragen. »Ich hatte das Gefühl, ich tue ihm weh, wenn ich ihn daran erinnere. Viele von Omars Freunden wissen nicht einmal, dass er in Libyen war.« Erst durch uns erfährt Taha von Abdul und dem Schusswechsel in Buslim. »Omar hat das gemacht?«, fragt er. »Das fühlt sich nicht real an. So was kenne ich eigentlich nur aus dem Fernsehen.« Einen Moment ist es still in der Leitung nach Istanbul. »Ich glaube nicht, dass Omar traumatisiert ist – aber vielleicht hat er noch nicht alles verarbeitet.«

 

Manche von den Kommilitonen, die Bescheid wissen, machen Scherze über Omar. Einer grüßt ihn mit »Na, du Terrorist«, seit er das Foto mit der Kalaschnikow gesehen hat. Ein anderer zieht ihn auf: »Und? Hast du Gadhafi gefangen?« Omar zögert, presst die Lippen zusammen, schaut auf den Boden.
Dann lacht er mit, als sei nichts gewesen.


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