Golden Girls des Ostens

Sie wirkt wie ein Mädchen. Der blonde Pony. Die hellwachen Augen. Ihre verspielt-ironische Art. Ihr loses Mundwerk.  Auf der Treppe zu ihrer Wohnung in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) sagt das Mädchen, man solle schon mal vorgehen, sie brauche länger. Meniskus, Arthrose. Ein Treppenlift,  ach was, der komme ihr nicht ins Haus, der wäre ja noch viel langsamer als sie. Und an ihren Knien dürfe niemand mehr herumschnibbeln. Mit fünfundachtzig, wo kämen wir denn da hin.

Jutta Apel kann nicht mehr so flitzen wie früher. Muss sie auch nicht. Die Altersklasse, in der sie heute spielt, 85 plus, gibt es bei den Damen gar nicht mehr und wenn, Jutta Apel hätte gar keine Gegenerin. Bei den Weltmeisterschaften der Senioren im vergangenen Oktober in der Türkei war sie die älteste Teilnehmerin. „Ein Jahr geht noch“. Das sagt sie schon seit Jahren. Im Wohnzimmer kramt sie aus einer gepolsterten Schatulle eine Medaille heraus: „Deutscher Mannschaftsmeister 1952“ steht auf der Rückseite. (Auszug, Tennismagazin Girls Open, 04 /2012)


Lächeln unter Geiern Wenn die gelben Trucks morgens in den Dunst der Basurero Municipal einrollen, werden sie schon erwartet. Mit ihrer Ladung kommt das Überleben. Für die Geier, und für tausende Familien, deren Existenz am Abfall der Gesellschaft hängt. Seit Generationen ziehen sie von morgens bis abends über dieses Ödland, auf der Suche nach Nützlichem. Faulig-gärende Dämpfe und Staub liegen über ihnen wie eine Glocke, schirmen sie ab vom Rest der Gesellschaft. Obwohl sie als Wiederverwerter tausender Tonnen unerlässlich sind für die Stadt. Sie werden gemieden, und sie werden gebraucht. [read more]
Liebe in Stein gehauen Fahrstuhl. Dritte Etage. Vorbei am Archiv, vorbei am Büro des Architekten, vorbei am Gipsatelier. Die Werkstatt der Straßburger Münsterbauhütte liegt an der Südseite des historischen Bauwerks. Sechs Männer behauen an diesem Vormittag schweigend Sandsteinblöcke. Auf ihren weinroten Hemden prangt das Zeichen der Fondation de L´Oeuvre Notre Dame, gegründet im 13. Jahrhundert: Ein Kreuz, nach unten gespreizt. [read more]