Immer schönes Wetter in Hofstetten

In Hofstetten, einer der kleinsten Gemeinden der Ortenau, tragen sich skurrile, lustige und traurige Geschichten zu, wie sie nur die Provinz hervorzubringen vermag

Von Anna Hunger

Henry Heller jagt seinen schwarzen 5er-BMW Kombi den Feldweg entlang. Kühe fliegen vorbei, Wiesen, Zaungatter, eine Villa am Waldrand, eine Brücke – eine von einem gefühlten Dutzend Brücken, die sich über Bäche spannen und die Bauernhöfe rund um Hofstetten mit dem Rest der Welt verbinden. „Die haben wir alle wieder aufgebaut“, sagt Henry Heller stolz und zeigt quer über das Armaturenbrett. „War weggeschwemmt vom Zweiachter-Hochwasser“, sagt er bei Brücke Nummer zwei und bei Brücke Nummer drei, und irgendwie hat man das Gefühl, er habe all die Brückenbretter eigenhändig zusammengeschraubt. Hat er aber nicht. „Wir versuchen halt immer, das maximal Mögliche rauszuholen für unser Dorf.“

Henry Heller ist groß, schlank, aschblond, 53 Jahre alt und der Bürgermeister von Hofstetten. Er trägt Jeans zum Sakko und Lederslipper, an denen kein einziges Staubkörnchen haftet. Heller bremst seinen Wagen auf einem der hochgelegenen Feldwege, die in den letzten Jahren alle für viel Geld saniert wurden. Von hier oben sieht Hofstetten irgendwie schnuckelig aus. „Ist das nicht schön?“, fragt er und zieht an seiner Selbstgedrehten. Henry Heller wirft einen verträumten Blick ins Tal. Er atmet den Rauch in die kitschige Schwarzwaldlandschaft und seufzt. Er sieht aus, als würde er denken: „Das alles ist meins.“

Hofstetten ist klein, 1.688 Einwohner, zu Fuß sind es nicht einmal zehn Minuten vom Ortseingangs- zum Ortsausgangsschild. Es gibt viel Fachwerk, zwei Bushaltestellen, einen Briefkasten, 20 Ferienwohnungen, einen Dorfladen, zwei Gasthöfe im Ortskern und 16 sonnengelbe Bänkchen. Die stellt die Gemeinde im Frühjahr raus in die Landschaft, im Winter kommen sie in den Schuppen. Hofstetten liegt im Kinzigtal – 48.257 Grad nördliche Breite, 8.068 Grad östliche Länge. Hofstetten ist nicht die kleinste Gemeinde im Ortenaukreis, aber eine, die zu den kleinsten gehört und eine, die Typen, Geschichten und Anekdoten hervorbringt und birgt, wie das nur so kleine Orte können.

Es ist eine Gemeinde, in der die Leute sich Reble-Heiner, Bebberle-Kaspar oder Dorf-Peter nennen. Tatsächlich heißen viele Krämer oder Neumaier. Die Hofstetter sind sicher, dass all die Krämers und Neumaiers nicht miteinander verwandt sind. Die Haslacher aus der Nebengemeinde glauben in bösartigen Momenten das Gegenteil. In Hofstetten ist der Weltspartag ein fester Termin im Kalender der unter 15jährigen. Die Jahreshauptübung der freiwilligen Feuerwehr gehört zu den Großereignissen. Hier regieren die CDU, der auch Henry Heller angehört, und die Freien Wähler. Ausländer gibt es nur ganz wenige. So wird die Hochzeit eines Schwarzwälders mit einer Thailänderin zum ganz besonderen Fest. In seiner Funktion als Bürgermeister hat Henry Heller sie getraut, und er ist stolz darauf, dass seine Trauungen eine „Scheidungsquote von nur 1,5 Prozent“ haben.

Nach Hofstetten gelangt man nicht zufällig. Nach Hofstetten muss man kommen. Hofstetten ist eine Sackgasse. Wenig kommt rein von außen und wenig kommt raus von innen.

Raus und rein kommt der Schulbus, die „Simsegräbslern“,die Guggenmusik-Gruppe, die letztens beim St. Patrick´s Festival in Dublin den Preis für die Best Marching Band gewonnen haben, oder die Fußballer des SC Hofstetten. Der SC, das ist für die Hofstetter so etwas wie die Basisdemokratie für die Schweizer oder die Mozartkugel für die Salzburger: Etwas, worauf sie stolz sind. Als der SC vor zwei Jahren in die Verbandsliga aufgestiegen ist, die Liga, in der auch Offenburg, die größte Stadt in der Ortenau, spielt, hat Bürgermeister Heller die Spieler ins Rathaus eingeladen. Sie durften ihre Namen in das Goldene Buch der Gemeinde eintragen. „Aber ihr kommt in Schick“, hatte er damals angeordnet. Also haben die Fußballer schwarze und dunkelblaue Anzüge bei eBay ersteigert.

Samstagnachmittag auf dem Fußballplatz links am Ortseingang. Halb Hofstetten steht um den Rasen. Es gibt Currywurst mit Brötchen und Glühwein aus einem riesigen Kochtopf. Der SC Hofstetten spielt in Nationalelf-Weiß, der FC 03 Radolfzell in Schalke-Blau. 55. Spielminute: Kopfball von Hofstettens Nummer Sieben zu Nummer Zwei, dann zur Fünf, Fünf rennt, das Publikum brüllt, schließlich Ballverlust an Radolfzells Sieben. „I will ufgrissne Ärsch säha“, brüllt einer aus der Menge. Eine Minute später flankt der Stürmer des FC 03 Radolfzell den Ball ins Tornetz von Hofstetten. „Jessesnei, so en Mist“, flucht ein verwitterter Typ mit wildem Bartwuchs. Es ist „der Kofler“ – so nennen ihn die Hofstetter.

Weil der SC die neunte Niederlage nach elf Spieltagen kassiert, trösten sich die meisten Zuschauer nach dem Spiel mit Fürstenberg-Premium-Pils. An der Bar steht die erste Damenmannschaft im Dirndl. Rechts in der Ecke sitzen ein paar grölende Jungs, die sich am kommenden Tag wahrscheinlich nicht mehr erinnern werden, dass sie hier saßen.

Bestellt wird bei Hein. Eberhard Hein, ein kleiner, grauer Mann mit Lachfalten um den Augen, ist in Hofstetten das Musterbeispiel für gelungene Ost-West-Integration. Ursprünglich kommt er aus einem Dorf bei Templin in Brandenburg. Irgendwann vor langer Zeit ist er als DDR-Flüchtling in Hofstetten gelandet – und geblieben. Er ist glücklich hier, sagt er, und schaut dabei mit einem selig-stolzen Lächeln auf das Bier, das er gerade aus dem Zapfhahn laufen lässt. Das Pils ist für Henni und mittlerweile mindestens das Fünfte. Henni ist 43 Jahre alt, riesig, hager und unrasiert. Er trägt einen Parka, der die gleiche Farbe hat wie der Wald rund um Hofstetten, und lebt in einem Haus an einem der Berghänge, die das Dorf umschließen, als sei es ein wertvolles Juwel. Manche nennen Henni den „Coolen“. Henni hat nur vier Finger an der rechten Hand, weil er als Kind vor einer Mähmaschine gespielt hat. Wenn er aus seinem Leben erzählt, dann sagt er nicht „als ich 16 war“ oder „1974“ – Henni rechnet seine Lebensdaten anhand seiner Mitgliedschaft in der A- und B-Jugend oder der ersten Herrenmannschaft. Letztens, erzählt er, und das ist ihm ein bisschen peinlich, wollte er ein Patent anmelden. Für eine Art Zange, mit der man das Fußballtor aus den Fundamenten heben kann. „Da sind aber vor mir schon ein paar andere draufgekommen“, sagt er und bestellt noch drei „Gedopte“ für seine Kumpels – Asbach mit Cola, das Hofstetter „Nationalgetränk“.

Am darauffolgenden Sonntag sitzen die Fußballer mit Augenringen und Katerstimmung beim Vorspielnachmittag der Bläserjugend in der Gemeindehalle. Ein paar blonde Mädchen mit Zöpfchen und Röckchen spielen Blockflöte. Die Gemeindehalle mit Rundumblick auf die idyllischen Schwarzwaldhänge ist voll. Es ist wie Weihnachten in einer Großfamilie. Die Jungs aus der Bläserjugend bedienen. Sie gießen Kaffee in die Tassen ihrer Väter, die außer zum SC auch zum Karnevalsverein „Höllenhund-Zunft“ gehören. Sie schaufeln selbst gebackenen Apfelkuchen auf die Teller ihrer Mütter, die bei Fußballspielen Currywurst braten, im Trachtenverein tanzen und im Kirchenchor singen. Die Vereinslandschaft in dem kleinen Ort funktionert. Ob Imker, Jäger, Kraftsportler, Schachspieler oder Suzukifahrer, alle haben sie ihren Verein.

In Hofstetten gibt es einen Dorfladen. Geführt wird er von Angela Kaltenbach, einer resoluten Frau, die aber nie die Ruhe verliert. Das Sortiment ist umfangreich – von Quartett-Karten bis zur Grießklöschen-Tütensuppe, aber die Hofstetter kaufen hier nur das ein, was sie bei Rewe im zwei Kilometer entfernten Haslach vergessen haben. Außer samstags. Samstags stehen sie für die Frühstücksbrötchen Schlange bis vor die Tür.

Im Ortskern gibt es zwei Gasthöfe – die „Linde“ und „Drei Schneeballen“. Zwei Wirtschaften, die beide seit 500 Jahren Familienbetriebe sind, nur 500 Meter weit auseinander liegen und sich dank ständiger Konkurrenz zu Schwarzwälder Hochküchen gemausert haben. Der Senior-Wirt der „Linde“ heißt Albert Kaspar, der von den „Drei Schneeballen“ Alfred Neumaier. Und wenn man nicht sicher wüsste, dass die beiden genauso wenig miteinander verwandt sind wie all die Krämers, könnte man die Männer für Zwillinge halten. Beide sind geschätzte 1,65 Meter groß, grau meliert, überaus charmant, Schaffer, die bis morgens um sechs Hochzeiten in ihren Feiersälen ausrichten und um neun Uhr wieder auf der Matte stehen. Beide Gasthöfe haben eine Kegelbahn im Keller und jeweils ein altes Milchhäusle samt Forellenzucht vor der Tür. In beiden Gaststuben hängen die Hochzeitskränze der Mütter hinter Glas an der Wand. Beide Wirte servieren zum Café Latte einen Keks und ein Stück Schokolade, und beide Wirte verabschieden jeden neuen Gast mit den gleichen Worten: „Und übrigens – in Hofstetten ist immer schönes Wetter.

Doch halt, einige kleine Unterschiede gibt es: In der „Linde“ stehen die Gamsgeweihe in Gläsern auf den Tischen, in den „Drei Schneeballen“ hängen sie an der Wand. Und: Im Schneeballen hat der Heimatschriftsteller Heinrich Hansjakob gewohnt, wenn er in Hofstetten Urlaub machte. Hansjakob steht auf der Vorzeigeskala der Hofstetter gleich auf Platz zwei – nach dem SC. „Da, wo die Menschen mich nicht plagen und ärgern“, schrieb der Dichter, „wo keine Hunde bellen, keine Kinder schreien, keine Wagen rasseln und keine Peitschen knallen und wo eine schöne Natur: Berg, Wald, Wasser, mich umgibt – da ist mein Paradies. Einen solchen Ort habe ich nur gefunden in Hofstetten bei Hasle.“

Tatsächlich bellt, schreit und rasselt hier wenig. Dafür hat letztens ein Hofhund auf einer Wiese zwei Rehe gerissen und deren Mäuler und Hälse bis auf die Knochen abgefressen. Wenn Kinder durch das Dorf mit den schmucken Einfamilienhäusern laufen, schreien sie nicht, sie rufen höchstens „Hallo Herr Bürgermeister!“ über die Straße, wenn sie Henry Heller treffen. Henry Heller federt in den Knien, wie er es immer tut, reißt den Arm in die Luft, ruft ein beherztes „Hallo Kinder!“ zurück. „Ist das nicht sympathisch?“, sagt er dann.

Auch rasselnde Wagen gibt es in Hofstetten schon lange nicht mehr. Dafür rauschen mittags Lastwagen aus dem Neubaugebiet durch den Ortskern.

Früher, sagt Hans-Jürgen Klaussner, der Krösus unter den Hofstettern, habe es hier nur drei Autos gegeben. „Heute fühlt man sich, als säße man an der Autobahn zwischen Appenweier und Offenburg.“ Es ist mittags, kurz vor zwölf, und Hans-Jürgen Klaussner sitzt in der „Linde“ vor der Tageszeitung und einem Glas Rotwein. Klaussner, der Erbe der Polstereifabrik Hukla in Haslach, ist ein drahtiger, kleiner Mann, 68 Jahre alt. Klaussner soll zwei Golfplätze, einen Tennisplatz hinterm Haus im Wald und ein Schwimmbad besitzen.

Klaussner ist der Gönner von Hofstetten. In den 90er Jahren hat Hans-Jürgen Klaussner das Vereinsheim für den SC gesponsert und nach seinem ebenfalls spendablen Vater Eugen benannt.

Vor ein paar Jahren hat er 5.000 Euro für das Osterkonzert der Musikkapelle gespendet und genauso viel an die Kirche, damit die Ministranten zum Ministrantentreffen nach Rom fahren können. „Möge der Herrgott alles vergelten, was Sie für die Mitmenschen getan haben“, schreibt der Altbürgermeister Franz-Josef Krämer in seiner mit Schreibmaschine getippten Ortschronik: „Wir wollen den Herrgott bitten, dass unser Freund und Gönner Herr Fabrikant Hans-Jürgen Klaussner noch viele Jahre die Gesundheit erhält, so dass er noch lange bei uns bleiben kann.

Seine nachhaltigste Schenkung war wohl die Finanzierung des Eugen-Klaussner-Seniorenzentrums, damit die alten Hofstetter ihr „Paradies“ nicht verlassen müssen. Manchmal zeigt Bürgermeister Heller im Altenheim PowerPoint-Präsentationen seiner Urlaubsreisen: Heller zu Füßen von Abraham Lincoln in Washington, beim Tauchen im Roten Meer. So bringt der Bürgermeister ein bisschen weite Welt in das Dorf.

Heller ist wohl der Einzige, der eigentlich überhaupt nicht nach Hofstetten passt. Er ist evangelisch, wo fast alle Einwohner katholisch sind; er ist der erste Bürgermeister, der nicht in Hofstetten aufgewachsen ist, sondern in Bad Bentheim, an der Grenze zu den Niederlanden. Er kam 1995 mit 37 Jahren als Junggeselle in das Dorf, in dem man sehr jung heiratet. Vorher hatte er als Bauingenieur in Offenburg gearbeitet. Es reizte ihn, einem ganzen Ort vorzustehen statt nur einer Abteilung. Als die Hofstetter Bürgermeisterwahlen anstanden, kandidierte er und wurde gewählt. Er heiratete eine Hofstetterin und hat mittlerweile einen erwachsenen Sohn. Obwohl er „en Reigschmeckter“ sei, finden ihn die Hofstetter „scho recht“.

Weil er seinen Job passabel mache. Und weil sich zur Bürgermeisterwahl nie ein Kandidat findet, den die Hofstetter lieber hätten. Bei der letzten Wahl wurde Heller mit über 90 Prozent wiedergewählt. Wenn er Geburtstag hat, „der Henry“, dann schnappen sich die Hofstetter einen Schnaps für ihren Schultes und wandern den Berg hinauf zum Neubaugebiet, in das er sich ein weißes Haus mit gelben Chrysanthemen unter der blauen Hausnummer gebaut hat.

Tagsüber sitzt Heller in seinem Rathaus, das letztens für 1,2 Millionen saniert wurde  und in dem er als Einziger gelegentlich rauchen darf. Manchmal fährt er gemeinsam mit den Bürgermeistern von Mühlenbach, Fischerbach und Haslach in seinem BMW nach Offenburg zum Kreistag. Dann kommt die „Kinzigtal-Mafia“ heißt es dann schon mal.

Die Erinnerung an die Überschwemmung ist immernoch allgegenwärtig. Jetzt muss ein Rückhaltebecken für das Regenwasser gebaut werden. So groß, dass das halbe Dorf drin Platz hätte.

Das Hochwasser kam im Jahr 2006. Und dann noch einmal 2008. Es drückte Schlamm in die Ritzen der Fachwerkhäuser, überschwemmte Keller, die Kegelbahn der „Drei Schneeballen“ und riss einen Landwirt in den Tod. Im Schwimmbecken des Freibads schwammen Karpfen aus dem Waldsee, der Sportplatz sah aus wie die Küste vor Norderney bei Ebbe und durch den Ortskern trieben Autos – vorbei an der Sparkasse, dem Rathaus und dem einzigen Briefkasten. Jedes Mal, wenn es regnet, ziehen sie noch heute die Köpfe ein und hoffen, dass nicht wieder Wasser unter den Türen hindurch läuft.

„Ausnahmezustand war das“, sagt Henry Heller. Sogar die Bild-Zeitung sei da gewesen und habe zugeschaut, wie die Hofstetter ihr Dorf trocken legten. „Wir haben ein Jahr gebraucht, um die Schäden zu beseitigen“, sagt Heller. Dann erzählt er, wie vor ein paar Jahren ein Kalb nach ihm benannt wurde. Das Kalb endete zwei Jahre später als Hackfleisch in einem Supermarktregal. Heller war nicht amused. „Die hätten ja eine Gans nach mir benennen können. Die lebt wenigstens länger.“

Wäre Hofstetten ein Roman, dann wären fast alle in dem Dorf Helden. Angela Kaltenbach, die die Hofstetter mit Brötchen und Zeitschriften versorgt, Henni und Hein, die ohne den SC nicht leben können, Hans-Jürgen Klaussner, ohne den Hofstetten nicht leben könnte, und Henry Heller, ohne dessen strahlendes Lachen sehr viel weniger Sonne scheinen würde in dem sonst so sonnigen Ort. Nur einer in Hofstetten ist kein Held. Der Kofler, der „Jessesnei“ über den Fußballplatz gebrüllt hat. Er ist ein Sonderling, aber doch einer, der nicht wegzudenken ist und den sie irgendwie trotzdem lieb haben.

Jeden morgen fährt der Kofler mit dem Fahrrad nach Haslach, trinkt ein Spezi und fährt zum Mittagessen wieder zurück nach Hofstetten. Nachmittags schwingt er sich wieder auf sein Rad und macht die gleiche Tour. In Haslach ist er stadtbekannt – und hat in einigen Geschäften der Fußgängerzone sogar Hausverbot. Weil er andauernd singt, Selbstgedichtetes, was er gerade tut, was es zum Mittagessen gab, was er erlebt hat. Das schreckt die Kunden ab.

Der Kofler radelt an diesem Abend in seiner Regenjacke, die schon bessere Tage erlebt hat, am Gasthof „Linde“ vorbei, in dem Hans-Jürgen Klaussner sitzt und vielleicht überlegt, wo er „seinem“ Hofstetten noch was Gutes tun kann. Er radelt am Rathaus vorbei, in dessen neuem Bürgersaal Henry Heller gerade sein elektrisch beleuchtetes Ortswappen anknipst.

Hofstetten mag klein sein. Sehr klein sogar. Aber es hat die Größe, dass hier jeder so sein darf, wie er will.

 

Erschienen in: Reporter Reisen – Ortenau, Schwarzwald, Strasbourg, Ausgabe 2011


Wie Lemmer lernte, die Welt zu beherrschen An einem Samstag im Februar sitzt Till auf einem Baum im Esslinger Wald, ein paar Kilometer von Stuttgart entfernt, und hat die Welt bezwungen, die ihm lange viel zu groß war. Er zieht ein winziges Buch aus einer Plastikdose, die mit blauem Schraubverschluss an einem Zweig hängt, und trägt seinen Nickname und das Datum ein: Lemmer, 23. 2. 2014. „Prima“, sagt er bescheiden. Dann grinst er, macht ein Foto von sich zwischen Ästen und Blättern und klettert den Baum hinunter. Für diesen Eintrag ist er einmal um die Welt geflogen. Er ist der jüngste Sieg von einem, der kleine Schätze sucht, um sich selbst zu finden. [read more]


Wie Lemmer lernte, die Welt zu beherrschen  NEUES vom: 17.09.2015   

Till war viele Jahre lang drogenabhängig. Bis er ein Hobby fand, das ihm das Leben rettete. Mittlerweile bereist er die Welt auf der Suche nach Kostbarkeiten, von denen kaum einer weiß.

An einem Samstag im Februar sitzt Till auf einem Baum im Esslinger Wald, ein paar Kilometer von Stuttgart entfernt, und hat die Welt bezwungen, die ihm lange viel zu groß war. Er zieht ein winziges Buch aus einer Plastikdose, die mit blauem Schraubverschluss an einem Zweig hängt, und trägt seinen Nickname und das Datum ein: Lemmer, 23. 2. 2014. „Prima“, sagt er bescheiden. Dann grinst er, macht ein Foto von sich zwischen Ästen und Blättern und klettert den Baum hinunter. Für diesen Eintrag ist er einmal um die Welt geflogen. Er ist der jüngste Sieg von einem, der kleine Schätze sucht, um sich selbst zu finden.

Am 3. Mai 2000, als Till das erste Mal im Gefängnis saß, reduzierte das US-Militär die Verrauschung von GPS-Signalen für die private Nutzung von 100 Meter auf nur 10. Und während Till am Tag darauf seinen Eltern ein verzweifeltes „Holt mich hier raus!“ aus einer Stammheimer Sammelzelle schrieb, versteckte einer am anderen Ende der Welt einen schwarzen Behälter im Wald nahe der South Fellows Road, 26 Meilen von Portland, Oregon, entfernt, und veröffentlichte die Koordinaten im Internet: N 45° 17.460 W 122° 24.800 – fünfundvierzig Grad, siebzehn Minuten und vierhundertsechzig Sekunden nördlicher Breite, hundertzweiundzwanzig Grad, vierundzwanzig Minuten und achthundert Sekunden westlicher Länge. Das war der Anfang einer weltweiten GPS-gesteuerten Schnitzeljagd. Mittlerweile gibt es sechs Millionen Geocacher rund um den Globus. Till ist mit 26 000 Funden einer der 200 besten weltweit. Es ist seine letzte Therapie. Seine Lebensaufgabe.

Till ist groß und blond, ein schlanker Mann von 38 Jahren. Er sieht ein bisschen verlebt aus, weil jeder Schuss, jedes Gramm Koks und jeder Diebstahl Spuren in sein Gesicht gezeichnet haben. 15 Jahre lang war er drogenabhängig. Als er nach vielen Jahren endlich clean war, wurde er Alkoholiker. Dreimal war er im Gefängnis, viermal in Langzeittherapie, er hat Entgiftungen gemacht, wie andere Leute einkaufen gehen. Es war ein grelles, schwarzes Leben, ein ständiges Scheitern. Kein Mensch hatte geglaubt, dass er jemals den Weg zurückfinden würde, er hatte irgendwann in seinem Chaos und seiner Finsternis die Orientierung verloren.

Als er schließlich doch ans Licht gekrochen kam, roh und leer, nachdem ihm Dutzende Therapeuten das fiese Selbst vom guten Kern gekratzt hatten, lag vor ihm eine viel zu große Welt voller Gefahren. Bisher hatte sich jeder seiner neu erlernten Wege doch immer wieder verzweigt und ihn in dieselben alten Abgründe zurückgeführt.

Unterwegs auf sicheren Pfaden

Tills neues Leben beginnt an einem Mittwoch im Juli 2009 mit einem nagelneuen GPS-Gerät und dem Geocache GC1FMDW. Er ist ein grünes Symbol auf der Landkarte der Internet-Seite Geocaching.com, das aussieht wie eine winzige Schüssel.

Auf seinem Gerät führte ein rosafarbener Strich dorthin. Luftlinie 587 Meter exakt von zu Hause, schnurgerade. Ein Weg ohne Abzweige, vorgegeben, mit einem Anfang und einem Ziel, absolut sicher.

Till hat in seinen Therapien viel ausprobiert, um ein Hobby für sich zu finden, das ihn im Leben hält. Er zeichnet ganz passabel, aber eigentlich liebt er das Draußensein. Er hat Volleyball gespielt, aber dazu braucht man immer zwei Mannschaften und einen Termin. Er ist mit seinen Therapeuten geklettert, aber dazu braucht es immer einen Berg. Um von seinem Schreibtisch zu GC1FMDW zu laufen, brauchte es nur ein bisschen Mut.

Also wanderte er los. Am Supermarkt vorbei, in dem er immer die Schnapsregale leer gekauft hatte, und an den Häusern, die einmal im LSD-Rausch über ihm zusammengeschlagen sind, immer am Strich entlang bis zu N 48° 38.816 E 009° 01.170. Es ist kein besonderer Ort. Ein Hügel, ein Fußballplatz, ein gewöhnliches Schild, das vor Glätte warnt. Aber im Metallrohr des Schilds steckte eine Filmdose mit einem Logbuch für den Nickname des Finders und das Datum des Funds.

Sie in den Händen zu halten war Tills erster Erfolg. Der Triumph, einen eigenen Weg gegangen zu sein, ohne sich zu verlieren, eine Aufgabe alleine gemeistert zu haben. Und er hatte etwas Heimliches gefunden, von dem nur einige Eingeweihte wissen. Der Rest der Menschheit sind Muggels, wie bei Harry Potter diejenigen ohne Zauberkräfte. So geht das Spiel.

Als er zu Hause war, trug er seinen Fund in eine Liste der Geocaching-Homepage ein, in der all diejenigen Grüße und Erlebnisse hinterlassen, die einen Geocache gefunden haben. „Das war mein erster Cache alleine. Danke, Lemmer“, schrieb Till etwas ungelenk in das freie Feld unter GC1FMDW. Das grüne Symbol auf der virtuellen Landkarte wurde zu einem Smiley. Das bedeutet „gefunden“.

Und weil dieser eine neue Weg so gut geklappt hatte, begann er sich an den Fäden auf seinem GPS-Gerät durch die Welt zu hangeln. Von GC1FMDW zu GC1VDN3, dann zu GC1M2GA auf N 48° 37.645 E 009° 01.378, spiralförmig weg von zu Hause, auf klar vorgegebenen Wegen, die sich auf der virtuellen Karte in eine Spur gelber Gesichter verwandelten. Lachendes, erobertes Land, zwischen Dutzenden Geocaching-Symbolen in seiner Stadt. Tausenden in Baden-Württemberg. Zehntausenden in Deutschland und Europa, und wenn man aus der Karte der Geocaching.com-Seite hinauszoomt, ist die Welt zum Bersten voll davon. Er gibt mehr als zwei Millionen Geocaches weltweit. Sie liegen in dichten Dschungeln, im Gebirge, unter gigantischen Wasserfällen, auf nebligen schottischen Anhöhen, einer liegt direkt auf 90 Grad am Südpol. Und plötzlich hatte sich diese viel zu große, chaotische Welt in ein berechenbares Koordinatennetz und viele klar umrissene Aufgaben zerlegt, mit jeweils einem sicheren Weg – und einem Erfolg. Seitdem ist Till Geocacher.

Jeder Geocache hat eine eigene Geschichte

An einem Sonntag steht er tief im Schwarzwald, rechts geht es den Berg hinauf, links steil bergab. „Da runter?“ Er schaut auf sein GPS-Gerät, hundert Meter Luftlinie bis zum Ziel. Dazwischen liegen eine Abbruchkante, haufenweise nasses Laub, Gestrüpp, ein paar Bäume, die dem letzten Sturm nicht standgehalten haben. Er schlittert den Berg hinunter, schafft sich auf der anderen Seite den Hang wieder hinauf und sitzt wenig später in einem Felsspalt, in dem er sich kaum umdrehen kann. „Ich hab’s!“, ruft er, schreibt seinen Namen in das kleine Buch und macht ein Foto von sich. Auf dem Bild sitzt Till grinsend im engen Spalt, eine Selbstgedrehte im Mundwinkel, billiger, halbschwarzer Tabak, der ihm aus seinem vorigen Leben geblieben ist.

Dann wählt er auf seinem Gerät den nächstgelegenen Geocache an und wandert so von einer Koordinate zur nächsten, kilometerweit über Wiesen und Felder, durch den Wald, durch laute Großstädte, stille Dörfer und an bezaubernde Orte, die kaum einer kennt, weil sie kein Mensch zufällig findet. Es ist eine freundliche, verborgene zweite Welt mit unendlicher Freiheit.

Manchmal traf er andere Geocacher. Sie erzählten ihm von Geocaches in Burgen und Höhlen, von solche auf Bäumen und vom Abseilen an steilen Felswänden, in denen in vierzig Meter Tiefe eine Plastikdose in einem Spalt steckt, nicht einmal so groß, wie ein Spatz. Es gibt große Geocaches, sehr kleine, unspektakuläre und liebevoll gestaltete. Manche Geocaches sind mechanisch oder elektrisch, andere sehen aus wie Schrauben an Getreidesilos oder Überwachungskameras in Parkhäusern, perfekt getarnt. Und jeder einzelne birgt eine Geschichte, die sich der Besitzer ausgedacht hat, um sie denen zu erzählen, die seinen Cache finden.

GC2029W ist die von Till. Eine Plastikdose liegt in seinem Heimatort im Fundament einer Brücke. „Eine Hommage an alle, die schon einmal nicht wussten, wo sie schlafen sollen“, steht in der Beschreibung. Therapeuten raten zu Topfpflanzen und Haustieren, um Verantwortung zu lernen. Till hat 67 Geocaches, um die er sich kümmert. Er hat einen Spaziergang durchs Industriegebiet gelegt, vorbei an der Firma, in die er mal eingebrochen war, um die Portokasse auszuräumen. Eine Wanderung durch die Dörfer und über die Felder rund um seine Stadt, weil das seine Heimat ist. Wenn die Logbücher nass sind vom Regen, wenn eine Dose verschwindet, weil ein Nichteingeweihter sie für Müll hält, zieht er los und bringt sie wieder in Ordnung. „Einen Cache“, sagt er, „legt man für die Ewigkeit.“

Wenn Till auf die Suche geht, trägt er eine Weste, klempnergrau, nicht hübsch, aber ein Markenzeichen. Die Weste hat eine Menge Taschen. Eine für sein GPS-Gerät, eine für den Stift, eine für den Fotoapparat, eine für Tabak, Blättchen und Feuerzeug. Und wie seine Geocaching-Ausrüstung in seiner Weste hat auch in seinem neuen Leben alles seinen Platz und seine Ordnung, damit nichts mehr herausfallen kann. Jeder Tag, jede Woche, ist weit im Voraus geplant. Jede Tätigkeit ist eine exakt umrissene Aufgabe mit einem Anfang und einem Ende. Das hilft gegen sein früheres Chaos.

Geocaches sind dafür prädestiniert! Die meisten sind klar lokalisiert, andere bergen Aufgaben oder Rätsel, durch deren Lösung man die Zielkoordinate erhält. Es gibt einfache Rätsel und so schwere, dass es manchmal Monate braucht, sie zu lösen. Aber alle sind wie Mathematik. Es gibt nur ein Richtig, einen festen Punkt auf der Landkarte. Sie sind perfekt planbar und passen damit perfekt in Tills neues Leben. Das ist auch der Grund, warum er ein so guter Geocacher ist.

Während viele Geocacher losziehen, um einen einzelnen Cache zu finden, sucht Till akribisch. Nach festgelegten Rastern, in sauberen Zeitfenstern mit bis in den letzten Winkel geplanten und optimierten Wegen. Sie führen ihn passgenau von Cache zu Cache.

In diesem Spiel ist es egal, wo einer herkommt

Nur seine Vergangenheit hat er lange ausgespart. Den Ort, in dem ihn eine Horde Schulkinder vergiftet im Gebüsch gefunden hat. Oder die Wurmlinger Kapelle, eine kleine, weiße Kirche mit rotem Dach, die er ein Jahr lang aus seinem Zellenfenster im Rottenburger Gefängnis sehen konnte. Im Sommer steht Till mit einem Feldstecher an der Brüstung der Kapelle und schaut sich die Gefängnismauern von außen an. Sie sehen winzig aus und harmlos. Dann trägt er seinen Namen in das kleine Buch ein, das in einer Mauerritze in der Nähe versteckt ist. Er sammelt sie ein, die verbrannten Orte seines früheren Lebens, und macht sie zu Lachgesichtern auf seiner Landkarte.

Später macht er ein Foto von sich und der Mauer und wird es auf der Geocaching-online-Seite unter seinen Eintrag stellen. Auf seinem Profil gibt es Tausende Bilder, Tausende grinsende Lemmers auf Verkehrsschildern, auf Bäumen, in Erdlöchern, in der Sonne, im Regen, im Schnee. Ursprünglich hatte er sich fotografiert, um sich selbst besser leiden zu können, mittlerweile sind die Bilder sein Markenzeichen.

Wo er in seinem alten Leben die Menschen um sich herum beschissen hatte, bis keiner mehr übrig war, hat er sich in seinem neuen langsam mit anderen Geocachern angefreundet. Einer Handvoll bodenständiger, ein bisschen verrückter und immer gut gelaunter Männer, die kaum etwas wissen über Drogen und Gefängnis. Sie fragen auch nicht, weil es in diesem Spiel nur wichtig ist, Spaß zu haben und ein verlässlicher Teamplayer zu sein, und nicht, wo einer herkommt.

Sie haben eine Leiter im Kofferraum. Stirnlampen, um die Hände in Röhren und Kanalisationen frei zu haben. Seile, Gummistiefel und Wathosen für Flüsse und Kanäle, Klettergurte sowieso. Magnete unterschiedlicher Stärke, weil mancher Cache nur durch Magnetkraft gehoben werden kann, und ein Schlauchboot, falls mal ein Fluss überquert werden muss. Für jede Eventualität gibt es ein Werkzeug.

Sie nahmen ihn mit nach München, nach Heidelberg und Berlin. Das war besonders, weil Till sich in mehr als 30 Jahren nur einmal getraut hatte, seine Heimat zu verlassen. Ein paar Monate lang wohnte er in Hamburg, einer seiner vielen Versuche, ein neues Leben anzufangen. Aber nach kurzer Zeit hatten sie ihn mit zwei Crack-Steinen, einem Gramm Heroin und einer Menge Diebstähle auf dem Kerbholz wieder ins Gefängnis gesteckt. Er war zuvor auch kaum im Ausland, weil ein Süchtiger seinen Dealer nicht verlässt und weil er später nicht wusste, wie „Ausland“ überhaupt funktioniert. Er hatte sich nicht einmal in die Stadt getraut, weil er nicht wusste, wie man mit Parkhäusern umgeht.

Die Welt wird immer größer

Jetzt fuhr er mit seinem Team nach Spanien und Ungarn, suchte Geocaches in verknoteten Wäldern, wanderte über Mooshügel und an überfluteten Flüssen vorbei. Er war in Schweden, Frankreich, Norwegen, Polen und Tschechien. Mit jedem Land, das er besuchte, wurde seine ehemals kleine Welt immer größer.

Till arbeitet im Sekretariat eines Architekturbüros. Was er an Geld nicht dringend braucht, spart er für seine Reisen. Er hat gelernt, wie man Hotels bucht, Mietautos und Flüge. Er hat Thailand bereist, die Türkei, war in Irland, Schottland, Weißrussland, im Kosovo, in Monaco, in Norwegen und in Transnistrien. Es gibt ein Bild von Till, auf dem er in Dänemark steht, an einem See, grünes Gras bis zum Knie, strahlend blauer Himmel, und die Arme in den Himmel streckt. Das Bild hat er „Hurra“ genannt. Till verirrt sich nicht mehr in der Welt, er hat gelernt, sie zu beherrschen.

Vor einiger Zeit war er in Valença do Minho, einer alten, portugiesischen Festungsstadt an der spanischen Grenze. GC49KK0 ist in einem Turm der Stadtmauer versteckt. Er ist Teil der Aufgabe zum Geocache im Esslinger Wald, für den Till an einem Samstag im Februar auf den Baum geklettert ist. Das Ziel dieses Geocaches ist es, zwei andere gefunden zu haben, die sich auf der Weltkugel genau gegenüberliegen. Nur wer diese Vorgabe erfüllt, darf seinen Namen in das kleine Buch eintragen, das in der Plastikdose mit blauen Schraubverschluss am Baum hängt.

Till ist zu S 42° 06.349 E 171° 20.380 geflogen, nach Punakaiki an der Westküste von Neuseeland, genau gegenüber von Valença do Minho in Portugal, die maximale Wegstrecke, die einer auf dem Globus zurücklegen kann. Auf seinem Foto steht er grinsend in der neuseeländischen Abendsonne vor einem blauen See zwischen grünen Hügeln. Er ist der Erste, der sich einträgt in die Liste auf der Geocaching-Seite. Der Erste, der es geschafft hat.

„Es gibt nur ein paar wenige Positionen auf der Welt, mit denen das funktioniert“, schrieb er. „Ich erfülle die Challenge durch GC49KK0 und GCBFF9 mit rund 19 995 km. Vielen Dank fürs Erfinden und Verstecken. Lemmer.“

Für das Frühjahr 2015 hat er bereits eine Reise nach Nepal gebucht und wird den Mount Everest besteigen.

(veröffentlicht in Kontext-Wochenzeitung, Ausgabe 181/2014)

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