Liebe mit allen Mitteln

Sie werden von ihren Frauen geschlagen, genötigt und bedroht. Kaum jemand hilft oder hört zu, die Gesellschaft belächelt sie. Männliche Opfer häuslicher Gewalt gelten als Tabu. Zwei Männer erzählen ihre Geschichte.

(Maxi, Dezember November 2011)

Nein, sagt Wolfgang*, zurückschlagen kam nicht infrage. Nie. Er hat sie doch geliebt, seine Karin*.

Aber was heißt das schon, Liebe? Der Begriff ist so dehnbar wie rosa Hubba-Bubba-Kaugummi, im schlimmsten Fall bläht er sich auf zu einer Worthülse, die oftmals viel zu viel versteckt. Auch die Faustschläge Karins und die Beulen an Wolfgangs Körper. Bis sich irgendwann die Frage stellt: Ab wann wird ein Mensch der Liebe wegen zum Opfer?

Wolfgang will kein Opfer sein. Auch fünf Jahre nach dem Ende der Beziehung zu jener Frau, von deren Leidenschaft er anfangs so fasziniert war und die er später wegen Bedrohung, gefährlicher und fahrlässiger Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Verletzung des Briefgeheimnisses anzeigte, wehrt er sich gegen die Rolle. Stattdessen sagt er: „Schön war das nicht, was man da erlebt hat.“

Es ist Herbst, wir treffen uns in einem Café, Wolfgang bestellt Kirchstreusel und Cappucino. Ruhig sitzt er einem gegenüber, ein ganz normaler Mann, 44 Jahre alt, 1,70 Meter groß, 63 Kilo schwer, mit langem, dünnem Zopf und einem Ring im linken Ohr, Typ Liedermacher. Einer, der ruhig und bedacht antwortet, und der sich nichts anmerken lässt, wenn er seine Geschichte erzählt.

Auf einer Party begegnet Wolfgang Karin zum ersten Mal. Beide stecken zu diesem Zeitpunkt noch in einer anderen Partnerschaft, sie treffen sich heimlich. Nach einem halben Jahr machen sie ihre Beziehung öffentlich, Wolfgang ist glücklich. „Ich würde mich gern noch einmal so verlieben“, sagt er heute. Doch schon bald notiert er damals in sein Tagebuch: „Da stimmt etwas nicht.“

Karin fängt an, ihn zu beleidigen, wird aggressiv. Mal tritt sie eine Tür ein, in einer anderen Situation fliegt ein Teller durch die Luft. Zum ersten Mal erhebt sie die Fäuste gegen ihren Freund, als er eines Abends nach Hause kommt und sie sich sicher ist, er habe eine andere.  Seitdem hat Wolfgang Angst vor seiner Freundin, manchmal fürchtet er um sein Leben. Einmal sammelt er alle Messer in der gemeinsamen Wohnung ein und versteckt sie. Wenn Karin wieder einmal ausrastet, tut es ihr hinterher leid; sie verspricht, sich zu bessern. Der leidenschaftliche Versöhnungssex wird zum festen Ritual. Es sind die wenigen Momente, in denen beide noch die Nähe und Zuneigung der Anfangstage spüren.

Irgendwann wird Karin schwanger, ein Schock für Wolfgang. Der erwägt zu dieser Zeit längst, sich zu trennen. „Aber ich wollte so gern eine Familie!“, sagt er. „Wir schaffen das!“, notiert er in sein Tagebuch und glaubt für einige Zeit wirklich daran. Das Kind kommt, das Paar entschließt sich zu einer Therapie, schon zum zweiten Mal. Wieder bricht Karin die Sitzungen nach einiger Zeit ab. Da beschließt Wolfgang, sich zu trennen. Endgültig.

Doch Karin will ihn nicht loslassen, legt sich in seinen Garten, um zu beobachten, welchen Besuch Wolfgang empfängt. Der startet eine neue Beziehung, und als Karin ihr einmal in seiner Küche begegnet, rastet sie aus: Mit der bloßen Faust zerschlägt sie ein Fenster und wirft mit den Scherben nach Wolfgangs Partnerin. Da reicht es ihm: Er zeigt Karin an.

Noch in einer weiteren Situation wird er später die Polizei rufen: Als Karin ihm nicht, wie vereinbart, die Tochter übergeben will. An diesem Tag beginnt der Streit ums Kind und es passiert, was Wolfgang nie für möglich gehalten hätte: Die Behörden schützen Karin – anstatt ihn und das Kind. Obwohl Karins Gewaltbereitschaft durch ein psychologisches Gutachten bestätigt wird. Wolfgang ist zutiefst enttäuscht von der Justiz, fühlt sich im Stich gelassen. „Ich hatte das Gefühl, alle wollten sie mir einreden, dass ich selbst schuld bin. Dabei wurde mir etwas angetan!“ Das Gericht jedoch beschließt: Die Tochter bleibt bei der Mutter.

Vielleicht fällt es Wolfgang selbst heute noch so schwer, sich als Opfer zu begreifen, weil er damals so lange gebraucht hat, sich die Gewaltbereitschaft seiner Freundin einzugestehen. Vielleicht aber auch, weil er ein Mann ist. Und Männer sind keine Opfer. Schon gar nicht von häuslicher Gewalt. Frauen, ja, die werden mitunter geschlagen in Beziehungen, genötigt und bedroht. Jedes Kind weiß das. Deswegen gibt es in Deutschland rund 400 Frauenhäuser, es gibt ein öffentliches Bewusstsein, Geld vom Staat. Aber Männer als Opfer psychischer und häuslicher Gewalt durch ihre Partnerinnen? Für viele klingt das nach einer grotesken Phantasie.

Männer wie Wolfgang existieren für die Gesellschaft nicht. Sie sind die dreifachen Opfer; die ihrer Frauen, die der Gleichberechtigung und die der Politik. Im niedersächsischen Goslar musste die Gleichstellungsbeauftragte im Mai ihr Amt räumen – weil sie in einer öffentlichen Kampagne angeblich zu sehr angeprangert hatte, auch Männer könnten Opfer häuslicher Gewalt werden. Es gibt in Deutschland kein einziges Männerhaus, es gibt kein Geld vom Staat und auch kein öffentliches Bewusstsein. Experten sprechen von einem riesigen Tabu, dabei wissen sie längst, dass auch Frauen in Beziehungen handgreiflich werden. Die offiziellen Opferzahlen entsprechen denen weiblicher, nicht nur in Deutschland, auch im internationalen Vergleich. Zwar werden Frauen öfter als Männer schwerer Gewalttaten, doch sie selbst schlagen, kratzen oder beißen, ihre körperliche Unterlegenheit machen sie durch den Gebrauch von Gegenständen wett. Die betroffenen Männer aber schweigen; zu groß ist die Scham.

„Wir hatten auch schon mit Morddrohungen zu tun“, sagt der Mann, der Wolfgang vielleicht hätte helfen können, als die Sache mit Karin vollends aus dem Ruder lief – wenn Wolfgang nicht in Deutschland leben würde. Der Mann heißt Andre Müller, ist 47 Jahre alt und leitet eines von zwei „Männerhäusern“ in der Schweiz, lieber benutzt er allerdings das Wort „Väter- oder Familienhaus.“ Allein oder mit ihren Kindern finden Männer hier Unterschlupf, wenn alles zu spät ist.

„ZwüscheHalt“ steht auf dem Klingelschild des unauffälligen Einfamilienhauses, „Zwischenstation“. Wer es finden will, der muss in ein kleines Dorf in der Nähe von Zürich reisen, dorthin, wo die spielenden Kinder auf der Straße auch den Fremden noch ein freundliches „Grüezi“ entgegen rufen, die Kuhglocken gemütlich an den dicken Hälsen der Tiere über die Wiesen baumeln und sich die Atmosphäre irgendwo zwischen dörflicher Idylle und langweiliger Tristesse bewegt. Vor zwei Jahren hat sich das „ZwüscheHalt“ gegründet, 35 Männer haben das Projekt bislang genutzt. Manche bleiben nur drei, vier Tage, andere zwei Monate. „Die Männer, die zu uns kommen, sind zu 95 Prozent von Gewalt betroffen“, sagt Müller mit breitem Schweizer Dialekt. Fast alle hätten mit psychischer Gewalt wie Drohung oder Nötigung zu kämpfen, ein Drittel sei Opfer physischer Gewalt, schätzt er. „Aber bis ein Mann zugibt, von seiner Partnerin misshandelt worden zu sein – da muss es dem schon ziemlich dreckig gehen“, sagt er.

Ob es ein Kaffee sein darf, fragt er höflich, bevor er durchs Haus führt und nacheinander Küche, Essecke, Väter- und Kinderzimmer zeigt. Die Einrichtung wirkt spartanisch, ein Bett, ein kleiner Tisch, mehr braucht es in den sauber geputzten Schlafzimmern nicht. Das Geld ist jeden Monat knapp; die Spenden müssen reichen. Eine Spielecke für die Kleinen aber gibt es, Bauklötze und Brettspiele stapeln sich übereinander. Die Sauna im Badezimmer stammt noch vom Vormieter, erzählt Müller, „aber die ist für alle verboten“ – zu sehr fürchtet man sich davor, jemand könne das Haus mit herbei geredeten Missbrauchsvorwürfen in Misskredit bringen. „Mehrere Männer und Kinder auf einem Fleck, Sie glauben gar nicht, was die Leute sich da alles ausdenken!“, sagt Müller und winkt ab.

Momentan ist es ruhig im Haus, vergangene Woche waren noch sechs Männer da, jetzt wohnt Peter* allein im „ZwüscheHalt“. Vor zwei Tagen ist er angekommen, eigentlich lebt er in Bern. Gestern war er bei der Polizei, dreieinhalb Stunden hat er Auskunft gegeben über seine Beziehung zu Sofie*, die bis vor einer Woche noch seine Freundin war. Und die ihn gewürgt hat bis zur Bewusstlosigkeit und ihm zuletzt eine Gehirnerschütterung verpasst hat.

Manchmal verhaspelt sich Peter, wenn er erzählt, wie es so weit kommen konnte. „Schlimme Kopfschmerzen, ist wohl die Gehirnerschütterung“, sagt er dann und reibt sich mit beiden Händen über das Gesicht. Peter sieht nicht aus, als sei er 48 Jahre alt, die schlanke Figur, das gegelte kurze Haar und die gebräunte Haut lassen ihn jünger erscheinen. Ein attraktiver Mann. Keiner, der ein Problem damit hätte, auf Frauen interessant zu wirken. Zuletzt hatte er sich Sofie ausgesucht, nach vier Jahren Singledasein und einer Ehe, die 20 Jahre lang hielt.

Über das Internet entsteht der Kontakt zwischen dem Uhrmacher und der medizinischen Masseurin. Zwei Monate lang E-Mails, Gespräche im Chat, fünfstündige Telefonate, dann schreibt sie morgens um halb zwei: „Komm doch zu mir nach Zürich, jetzt!“ Peter setzt sich ins Auto, fährt 150 Kilometer durch die Nacht. Sofie öffnet die Wohnungstür, die beiden sehen sich zum ersten Mal, Peter ist begeistert. „Ich fand sie wunderschön“, erinnert er sich. Ab dieser Nacht sind sie ein Paar. Anfangs läuft alles perfekt, der Sex, die Gespräche, einfach alles. Doch schnell gerät die Beziehung in Schieflage. Die sensible und schüchterne Frau, die Peter kennengelernt hat, verändert sich. Sie will ihn sozial isolieren, kontrolliert und beschimpft ihn. Wenn die Eifersucht und die Unsicherheit wieder aus ihr sprechen, muss Peter sich „Arschloch“ nennen lassen, „verdammter Wichser“ und „Versager“. Sofie ist oft eifersüchtig.

Im April 2010 ruft Peter zum ersten Mal den Notarzt. Weil Sofie ausrastet, auf ihn losgeht und ihm das Gesicht blutig kratzt. Er verliert die Kontrolle über die Situation, Sofie ist nicht mehr zu beruhigen. Da kennen sich beide seit knapp vier Monaten. Was Peter erst zu diesem Zeitpunkt erfährt: Sofie ist manischdepressiv, ihre Medikamente hat sie abgesetzt. Er nimmt Kontakt zu ihren Eltern auf, spricht auch mit ihrem erwachsenen Sohn. Der warnt ihn vor der eigenen Mutter. Aber Peter bleibt. „Ich wollte ihr eine Chance geben“, sagt er, und sein Blick schweift ins Leere. „Das war ja nicht sie, wenn sie ausrastete, das war ja die Krankheit.“ Noch immer sucht er eine Erklärung für ihre Aggressionen. Und dafür, wieso er nicht früher einen Schlussstrich gezogen hat.

Es war Liebe, sagt er. Und Mitleid. Dann weint er.

Sofie wird für zwei Monate in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, vollgepumpt mit Medikamenten liegt sie im Bett. Alle zwei bis drei Tage besucht Peter seine Freundin, schließlich organisiert er ihr einen Platz in einer Berner Privatklinik. Dort bessert sich Sofies Zustand, die beiden kommen sich wieder Im August 2010 wird sie entlassen, die ersten Wochen verlaufen gut für das Paar. Doch dann verfangen sich beide wieder im knirschenden Alltagsgetriebe. Das bittere Spiel aus verbalen Attacken, Eifersuchtsszenen und physischen Angriffen wird zu einer Endlosschleife. Sechsmal trennen sie sich, um sich doch wieder zusammenzuraufen. Als die Situation wieder einmal eskaliert, geht Sofie mit einer vollen Weinflasche auf Peter los, später wirft sie eine Parfumflasche nach ihm, „Costume National“, 79 Euro der 100-Milliliter-Flakon. Ein Geschenk Sofies an Peter.

Im Frühjahr 2011 wagt der den letzten Versuch, seine Beziehung zu retten, wie er glaubt: Er sucht für beide eine luxuriöse Wohnung mitten in der Natur, 220 Quadratmeter, viereinhalb Zimmer, allein der Flur 22 Meter lang. Endlich mehr Raum, ein Neuanfang. Vielleicht kommt jetzt das große Glück zurück. Das Paar teilt sich die Miete, doch die Wohnung läuft auf Sofies Namen, offiziell ist Peter als ihr Untermieter gemeldet.

Ein paar Monate später, an einem Sommertag, geschieht es dann: Das Paar hat eine Radtour geplant, sie fahren durch einen kleinen Wald. Die Stimmung ist gut. Auf einmal fordert Sofie Sex, hier und jetzt. „Du hast es mir versprochen!“, sagt sie. „Ich habe jetzt gerade einfach keine Lust“, sagt er müde. „Du hast sicher eine andere!“, schreit Sofie. Entnervt lässt Peter sie mit dem Rad zurück. Zu Hause legt er sich ins Bett, die ständigen Auseinandersetzungen strengen ihn an. Gegen 21 Uhr geht er in die Küche und kocht sich ein Abendessen, danach möchte er fernsehen. Die Nacht bricht herein, es dämmert. Auch Sofie ist längst nach Hause zurückgekehrt. Jetzt kommt sie ins Zimmer, tänzelt vor dem Fernseher herum, provoziert Peter. Der ignoriert sie. Als er aufsteht, um eine Lampe anzuknipsen, fällt Sofie ihn von hinten an. Sie würgt ihn, Peter taumelt zu Boden, stößt sich den Kopf, fünf Sekunden vergehen, zehn, Peter ist ohnmächtig. Er weiß nicht mehr, wie lange, als er wieder zu sich kommt, vielleicht eine halbe Minute, vielleicht länger. Blut rinnt aus einer Wunde an seinem Kopf und läuft ihm über das Gesicht.

Es ist der Abend, an dem die Liebe nicht mehr alles unter ihrem Deckmantel versteckt; Peter fasst den Entschluss, die Beziehung zu beenden.

Am nächsten Morgen begegnen sich beide in der Küche, keiner spricht ein Wort. Danach verschwindet Sofie für eine Woche, Peter weiß nicht, wo sie sich aufhält, aber er sucht auch nicht nach ihr. Stattdessen macht er Schluss, per SMS : „Ich mag nicht mehr, ich will nicht mehr, ich habe keine Gefühle mehr für dich. Du hast mein Vertrauen missbraucht.“ Längst hat sie ihm da die Wohnung gekündigt; zum 1. September soll er raus.

Peter ist jetzt wieder Single. Und hat keine Bleibe mehr. Er zieht für einige Tage zu seinem Bruder, schließlich kommt er im „ZwüscheHalt“ an. Bei der Polizei hat er gegen Sofie Anzeige erstattet. Wegen Körperverletzung, Drohung und Beschimpfung.

Er will keine Rache, sagt Peter. Er will einfach nur seine Ruhe. Sofie indes streitet alle Vorwürfe ab und hat Gegenanzeige erstattet.

Der Schlagabtausch läuft.

 

* Namen geändert


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