Spaß beiseite

Ein Jahr ist es jetzt her, dass die Isländer in der größten Krise ihrer Geschichte den Komiker Jon Gnarr zum Bürgermeister von Reykjavik wählten. Sie waren sich einig im Protest, doch nun müssen sie ausbaden, was so lustig begann

[GO-Magazin, April 2011] [Das Magazin, Mai 2011]

Es war ein Samstag, als der Spaß in Reykjavik einzog. Für manche war es ein Schock, für andere bloß ein Scherz. Für die Frau aber, die Schuld daran trägt, war es gründlich durchdachter Ernst.
Heida Helgadottir, rot-blonde Haare, große Augen und jene Sorte Naturschönheit, die einem bei dem Wort Island in den Sinn kommt, hat die Besti Flokkurinn nie für einen Scherz gehalten. Auch nicht die Sache mit dem youtube-Video. Es war ihre Idee, sie ist die Parteimanagerin dieses Haufens von Künstlern und Schauspielern, die sich die Beste Partei nennen und die im vergangenen Jahr kurzerhand auszogen, um Reykjavik endlich wieder ein Lächeln abzutrotzen.
Die üblichen Wahlkampfmethoden waren der 27-Jährigen zu langweilig, also verzichtete sie auf Plakate. Stattdessen zog sie mit rosa Luftballons durch die Stadt und trommelte ihre Kameraden zum Videodreh zusammen. Gemeinsam trällern sie dort eine Coverversion von Tina Turners „Simply the best!“ und besingen ein kuscheliges und lächelndes Reykjavik, das sie sich wünschen. Mittendrin: Jon Gnarr –  Schauspieler, Satiriker, selbst ernnanter Anarchist, und seit jenem Samstag, dem 29. Mai 2010, Bürgermeister von Reykjavik.
Die Parteimanagerin lächelt, wenn sie von dem Video erzählt. Sie sieht dann aus wie ein kleines Mädchen, die rosa Wangen glänzen, der weiße Island-Pulli strahlt. Man könnte sie für unbedarft halten. Doch Heldagottir, die einzige mit politischem Fachwissen in der Besten Partei, weiß genau, was sie will: Als ein Freund ihr erzählte, Jon Gnarr gründe eine Satirepartei und wolle für das Amt des Bürgermeisters kandidieren, war sie sofort dabei. „Ich hatte nach dem Crash keine Lust, bloß Eier aufs Parlamentsgebäude zu werfen. Aber ich fühlte mich von keiner der anderen Parteien vertreten.“ Also stieg sie bei der Besti Flokkurinn ein und wurde Parteimanagerin.
Mit Erfolg; mehr als ein Drittel  der isländischen Hauptstädter entschieden sich am Wahltag für die Spaß-Partei und Jon Gnarr, diesen rothaarigen Tausendsassa und Zwei-Meter-Mann. Seine Wahlversprechen: Gratishandtücher an allen heißen Quellen, ein Eisbär für den Zoo, die kulturelle Revolution – und besseres Wetter.

Es ist der skurrile Höhepunkt einer Geschichte, die lange vor dem eigentlichen Crash begonnen hatte:
2002 privatisiert Island seine zwei Staatsbanken, die Wirtschaft boomt. Die Menschen bekommen billige Kredite, sie kaufen Autos, bauen Häuser. Die Arbeitslosigkeit liegt unter zwei Prozent, die Lebensqualität gilt als besonders hoch. Das Land feiert eine Riesenparty, über Jahre hinweg. Noch im Spätsommer 2008 listet eine Studie der OECD die Insel als eine der zukunftsfähigsten Regionen der Welt.
Island schwebt.
Dann kommt der Crash.
So schnell, dass es niemand glauben kann: Bankrott der drei größten Landesbanken – Notstandsgesetze – Bankenverstaatlichung – Inflation – rasanter Anstieg der Arbeitslosigkeit – Proteste – Rücktritt der Regierung. Menschen, die alles verlieren.

Und die abrechnen mit der alten politischen Riege. „Die Reykjaviker sind nicht dümmer oder unvernünftiger als anderswo“, sagt Olafur Hardarson, Politikprofessor und Sozialwissenschaftler an der Universität Island. Für den 59-Jährigen ist der sensationelle Erfolg von Gnarrs Spaß-Partei ein Zeichen wohl überlegten Protests. „Viele Menschen dachten sich nach der Krise: `Wir haben die Nase voll! Lasst uns den Politikern endlich eine Lektion erteilen!´“
Für den Professor ist der blödelnde Bürgermeister ein Glücksfall. Mit Kollegen aus aller Welt blickt der Forscher auf das „Phänomen Gnarr“. Erst vor ein paar Wochen klingelte das Telefon des Wissenschaftlers; ob man gemeinsam eine Forschungsgruppe „Clowns und Komiker in der Politik“ gründen wolle, fragte ein amerikanischer Kollege.
Satireparteien habe es schon viele gegeben, „aber dass eine wie die Besti Flokkurrin mit 34,7 Prozent gewählt wird, ist absolut außergewöhnlich“, erklärt Hardarson mit einer Stimme so tief wie ein Kontrabass, sein runder Bauch wippt dabei entspannt über dem Hosenbund. Von Hardarsons Erdgeschossbüro bis zum Rathaus, wo Gnarr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sitzt, sind es nur ein paar Hundert Meter; Reykjavik ist eine Stadt kurzer Wege. Darin gleicht sie der isländischen Politik, in der jeder jeden kennt.
Der Professor hat Umfragen eingeholt und Diagramme erstellt, sie sollen den Sieg der Besti Flokkurinn erklären. Hardarson weiß jetzt, dass vor allem junge Wähler ihr Kreuzchen für die Spaß-Partei gesetzt haben.  Oder dass Gnarr bei den Männern besser ankam als bei den Frauen. Die Frage sei nun, welche Auswirkungen die Besti Flokkurinn auf die konventionellen Parteien habe, auch auf nationaler Ebene. Ob die Spaß-Partei tatsächlich den Anstoß für einen neuen Politikstil geben könne; der Professor spricht von einem „Gnarr-Effekt“.

Doch allen Umfragen zum Trotz muss auch er zugeben: Die Besti Flokkurinn bleibt ein Rätsel. Bis heute hat sie sich auf kein Grundsatzprogramm festgelegt. Man arbeite daran, lässt die Parteimanagerin verlauten, nennt aber schon mal die vier Grundpfeiler ihrer Politik: Natur, Frieden, Menschlichkeit und Kultur.
Jon Gnarr hingegen verhält sich wie ein Phantom; man bekommt ihn nicht zu fassen. Jedes Mal, wenn er eine Rede hält, fragen die Menschen sich erneut, ob er es ernst meint oder wieder einen Witz reißt.
So wie damals, als Gnarr während des Wahlkampfs verkündete, er wolle endlich Karriere machen und deswegen Bürgermeister werden. Oder als er, schon im Amt, einen Termin platzen ließ – um wenige Stunden später in Frauenklamotten und mit akkurat gezogenem Lippenstift die Schwulenparade in Reykjavik anzuführen.
Entwaffnende Offenheit gepaart mit Witz und Selbstironie, so lautet des Bürgermeisters Zauberformel. Immer wieder hat er in Interviews betont, er habe keine Ahnung von Politik und sich auch nie dafür interessiert. Er sei einfach nur verdammt wütend auf die alte politische Garde, die das Land in seine schwerste Krise führte. Damit spricht Gnarr das aus, was viele seiner 300.000 Landsleute denken. Und mehr noch: „Ich bin einer von euch, deswegen könnt ihr mir vertrauen!“ Das ist es, was er den Menschen sagt.

Beim Volk ist diese Botschaft längst angekommen: In einer Umfrage wurde Gnarr erst kürzlich zum „ehrenhaftesten“ Politiker Islands gewählt.
Es klingt wie ein Witz – ausgerechnet einer, der keine Ahnung hat von Politik, der mit 14 Jahren die Schule abbrach und öffentlich mit seiner Unwissenheit kokettiert, genießt jetzt das Vertrauen der Menschen.
Doch es wird nicht ewig so bleiben. Der Wind wird sich drehen – erste Böen wehen schon jetzt über das Rathaus hinweg.

Die Besti Flokkurinn wird mittlerweile nicht mehr nur an ihren Witzaktionen gemessen, so wie der „Guten-Tag-Tag“ eine war; alle Menschen sollten sich in der Stadt einen Tag lang freundlich grüßen. Und Gnarr muss jetzt zeigen, dass er mehr kann als sich das Stadtwappen auf den Unterarm zu tätowieren, wie er es im vergangenen Oktober getan hatte.
Die Wähler tun jetzt das, was sie immer tun, egal bei welcher Partei: Sie erwarten Ergebnisse. Langsam schiebt sich eine Frage immer mehr in den Vordergrund: Was hat sich wirklich verändert für die Menschen in Reykjavik?
„Nicht viel“, sagt Professor Hardarson und lehnt sich in seinem Bürostuhl zurück. „Im Grunde führen sowieso die Sozialdemokraten die Geschäfte der Stadt. Die Koalition macht das, was jede andere tun auch müsste: Steuern erhöhen, Kosten senken, Leute entlassen. Gnarr liefert nur die bessere Show.“
Dass das nicht immer Spaß macht, bekam der Bürgermeister ziemlich schnell zu spüren. Im  vergangenen Jahr sanierte die Stadt das Unternehmen Orkuveitan; Reykjaviks größter  Energiedienstleister für Strom und Wasser hatte sich  nach Jahren der Expansion nahe an den Bankrott gewirtschaftet. Die Stadt, zu 93,5 Prozent Eigentümer des Unternehmens, setzte auf Sparkurs und entließ 65 Mitarbeiter.
Einer von ihnen war der Vater von Parteimanagerin Helgadottir. Natürlich sei das nicht einfach gewesen, sagt sie. „Aber die Menschen verstehen, dass wir sparen müssen. So ist es nun mal.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Wir kleben nicht an unseren Sesseln. Deswegen können wir auch unpopuläre Entscheidungen durchziehen.“

Emilia Vilmarsdottir ist eine von denen, die an die neue Partei glaubt. Trotz Sparkurs. „Natürlich habe ich Gnarr gewählt – alles ist besser als das, was wir vorher hatten“, sagt sie. „Die Dinge müssen sich ändern.“ Die 24-Jährige steht hinter einem Stand und verkauft Schals oder Badetücher mit nackten Frauen darauf, wer will, bekommt auch einen quietschebunten Regenschirm. Es riecht nach Fisch. Seit der Krise arbeitet Valdimarsdottir jeden zweiten Samstag auf dem Kolaportid-Flohmarkt in einer riesigen Halle, direkt am Hafen. Vor den Eingangstüren schaukeln Fischerboote, nebenan wird die neue Konzerthalle gebaut, die in diesem Monat eröffnet werden soll. Dahinter kommt nur noch das Meer.
Valdimarsdottir hat einen Studienkredit aufgenommen, den muss sie irgendwann abbezahlen, Essen, Gas, alles ist teurer geworden seit der Krise. Jeder kennt irgendwen, der seinen Job verloren hat, so wie ihre Schwester, oder der zum Arbeiten nach Norwegen geht, so wie der Vater ihrer Tochter.
Aber die junge Mutter will nicht gehen. Stattdessen arbeitet sie an ihrer inneren Einstellung. „Die kann ich wenigstens noch beeinflussen!“, sagt sie, „ich lebe nur noch von Tag zu Tag, andernfalls würde ich verrückt werden.“ Sie will keine Angst haben, lieber optimistisch sein. Deswegen hat Valdimarsdottir Jon Gnarr gewählt. Er ist ihre Hoffnung.

Er ist es auch für Thorarinn Einarsson. Der 37-Jährige lebt in „101 Reykjavik“, dem Teil der Stadt, der aus bunten, kleinen Häusern mit Wellblechverkleidung besteht.
Einarrsson steht in seinem Wohnzimmer, das eigentlich mehr ein Durchgang ist und gleichzeitig als Spielzimmer, Büro oder Schlafstätte dient, und versucht, den Überblick zu behalten. Der Raum ist zu klein für all die Tellertürme und Klamottenberge, gesaugt wurde hier schon lange nicht mehr. Seine zwei Kinder, zweieinhalb und vier Jahre alt, springen um ihn herum, im Hintergrund sitzt die älteste Tochter seiner Frau vor dem Laptop, in der Küche kramen zwei junge Musiker in einer Gemüsekiste. Sie wohnen im oberen Stockwerk.
Wenn Einarrson redet, dann tut er es schnell, so als müsste er gegen das ganze Chaos um ihn herum anreden. „Gnarr macht einen guten Job“, sagt er, „aber er könnte noch einen viel besseren machen.“ Ihm ist der neue Bürgermeister nicht radikal genug. Einarsson bezeichnet sich als politischen Aktivisten, er war unter jenen, die vor zwei Jahren mit Bratpfannen und Trommeln bewaffnet vor dem isländischen Parlament protestierten und so den Regierungsrücktritt herbeiführten. Er träumt von einem neuen Finanzwesen, einer eigenen Bank für Reykjavik. Mit ein paar Freunden hat Einarsson die Icelandic Financial Reform Initiative gegründet und einen Zehn-Punkte-Plan entwickelt, der das Finanzwesen komplett umbauen soll. Jeder kann seine Ideen im Internet nachlesen; mehr Transparenz ist einer der zehn Punkte, die die Gruppe fordern.
Natürlich habe er Gnarr gewählt, sagt Einarsson, „die Besti Flokkurinn ist ein Arschtritt für die konventionellen Politiker.“ Er hasst die Sozialdemokraten, mit denen Gnarrs Partei im Stadtrat eine Koalition stellt, die hörten ja noch nicht mal zu und machten einfach so weiter wie bisher. „Alles Feiglinge“, sagt er.
Mit Gnarr, so hofft der Familienvater, könnte es anders sein. Er würde den Spaß-Bürgermeister selbst dann wählen, ließe der sich für die nächsten Parlamentswahlen 2013 aufstellen. „Aber zuerst sollen sie das Finanzsystem ändern!“

Die Stadt aber hat momentan ganz andere Pläne. Sie will weiter sparen und deswegen einige Kindergärten und Grundschulen zusammenlegen. Aufgebrachte Lehrer starteten eine Unterschriftenaktion, als die Pläne im März an die Öffentlichkeit drangen, 11.000 Reykjaviker unterschrieben. Und Gnarr sah sich mit der Frage konfrontiert, wieso er in der Schweiz im Urlaub weilte, als die Bildungsdebatte im Rathaus diskutiert wurde – so fühlt es sich an, wenn aus Spaß langsam Ernst wird.
Auch die Musikschulen im Großraum Reykjaviks will Gnarr nicht verschonen. Hunderte haben deswegen vor dem Rathaus demonstriert, viele sind enttäuscht. Kurz nach der Wahl hatte Gnarrs Partei verlauten lassen, sie wolle vor allem in die Kultur investieren – jetzt will die Stadt auch noch bei den Musikhochschulen kürzen.

Wie praktisch, dass der Bürgermeister schon während des Wahlkampfs versprochen hatte, im Falle eines Sieges alle seine Versprechen zu brechen.


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