Erfolgreich – ohne Job

Malochen bis zum Umfallen, der Beruf als Mittelpunkt des Alltags: Viele haben diesen Gedanken fast bis zur Ohnmacht verinnerlicht. Was aber wäre, wenn das Leben wieder die Hauptrolle spielen würde?

[emotion Working Women, November 2014]

Die Sache mit dem Mercedes. Gerrit von Jorck, 28, schüttelt den Kopf: Sein leiblicher Vater, „ein Arbeitstier“, wie der Sohn sagt, hatte einen neuen Mercedes gekauft, um sich so zu motivieren, bis zur Rente weiterzuarbeiten – damit er schließlich seinen neuen Mercedes abbezahlen könne. „Is´ doch total absurd!“, sagt der Sohn und sieht so aus, als könne er jene Anekdote noch immer nicht glauben. Ihm würde eine solche Aktion im Traum nicht einfallen, selbst wenn er das Geld für einen Mercedes hätte. Schon gar nicht würde Gerrit von Jorck 40 oder mehr Stunden in der Woche dafür arbeiten wollen. Der Wahlberliner, diplomierte Volkswirt und studierte Philosoph arbeitet offiziell 13 Stunden in der Woche. Mehr nicht.

Dreizehn. Eine fast verschwindend kleine Zahl im Trott der Arbeitsmühlen, die heute vielerorts im 40-, 60- oder gar 70-Stundenwochen takten. Aber von Jorck macht keine Scherze. Von Jorck meint es ernst. Er arbeitet nicht etwa deswegen so wenig, weil er seine Arbeitszeit am Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin nicht aufstocken könnte oder seinen Job nicht mögen würde. Von Jorck beschäftigt sich nicht nur beruflich gern mit der Frage, was denn eigentlich nach dem großen Wachstum kommen soll. Diese Fragen sind ihm auch im Privaten wichtig. Genau wie seine Zeit. „Ich definiere mich eben nicht über meine Arbeit“, sagt er.

Für von Jorck ist diese Haltung selbstverständlich. Für den Großteil der Bevölkerung aber dürfte der junge Mann, positiv gesprochen, eine Rarität sein. Oder, im negativen Sinne, ein Verweigerer. Ein Spinner. Doch von Jorck verneint. Er sei kein Aussteiger, auch kein Revoluzzer. Und schon gar kein Hippie. So sieht er auch nicht aus, mit seinem Kurzhaarschnitt, der schmalen kleinen Brille und dem knallgrünen Polo-Shirt, das er schon seit dem Studium besitzt. Es wirkt wie ein Relikt aus einer alten Zeit – mehr als das Shirt dürfte von Jorck mit seinen ehemaligen VWL-Kommilitonen nicht mehr gemein haben. Er hat sich weit von ihnen entfernt; manche der alten Kameraden machen heute Yacht-Urlaube, feiern berufliche Erfolge, verdienen sehr gut. Von Jorck interessiert das alles nicht. Er kommt mit seinem Job am Wirtschaftsinstitut sowie ab und an einem freien Auftrag auf 600 Euro im Monat, netto. Davon bezahlt er sein WG-Zimmer, eine Haftpflichtversicherung, seine wöchentliche Zeitung „Dschungelworld“ und sein Prepaidhandy. Von Jorck sagt, er verzichte auf nichts. Wenn er eine neue Hose braucht, geht er in einen Umsonstladen, wenn er feiern will, dann auf einer selbst organisierten Party von Freunden, und wenn er Hunger hat, kauft er billig bei Penny ein oder versorgt sich mit Übriggebliebenem, das Bäckereien oder Gemüseläden sonst wegschmeißen würden. „Ich weiß mit viel Geld einfach nicht so recht viel anzufangen“, sagt der Konsumverweigerer. „Ist für mich eher Stress, ständig konsumieren zu müssen.“

Verzicht als wahrer Luxus. Von Jorck kann ihn sich leisten. Weil er nur sich selbst versorgen muss und in Berlin lebt, ohne allzu hohe Kosten, ohne große Ansprüche. Doch ist auch er nicht unabhängig von Geld, dessen ist sich der Querdenker bewusst. „Ich habe eigentlich immer etwas Gespartes im Rücken“, sagt er. Von Jorcks Sicherheit liegt auf einem Tagesgeldkonto, ganz konventionell. Trotzdem bewegt von Jorck sich abseits dessen, was als Mainstream gilt. Doch er ist kein naiver Träumer. Eher muss man sich den jungen Mann als reflektierten und durchdachten Menschen vorstellen, der bewusst einen anderen Weg gehen will. Er habe auch gar nichts gegen Erwerbstätigkeit an sich, sagt von Jorck. „Das würde ich mir nie herausnehmen. Aber mich stört das Ausmaß. Unsere Gesellschaft hat doch ein total krasses Maß erreicht, was Arbeit betrifft.“

Man würde an dieser Stelle gern widersprechen. Doch all die „Arbeitstiere“, die längst das große Rudel der heutigen Jobwelt bilden, geben von Jorck recht. Der Begriff Arbeit hat sich gewandelt. Noch bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts wurde nach Stechuhr gearbeitet, fünf Tage die Woche, neun bis siebzehn Uhr, die Wochenenden frei. Arbeit war eine Pflicht, die ab einem gewissen Lebensabschnitt dazu gehörte. Manchmal machte sie Spaß, vor allem aber sollte Arbeit eines: das eigentliche Leben finanzieren.

Heute ist Arbeit für Viele das eigentliche Leben – die Verhältnisse haben sich verkehrt. Zwar dient der Beruf auch heute noch der Finanzierung des Alltags, darüber hinaus aber soll Arbeit viel mehr: Sie soll uns befriedigen, uns definieren, uns verwirklichen, uns stets Begeisterung spenden – und uns glücklich machen. Oder, wie der Journalist und Soziologe Jakob Schrenk in seinem Buch „die Kunst der Selbstausbeutung“ schreibt: „Der Beruf wird zum Zentrum des gesellschaftlichen Strebens und individuellen Seins.“ Die Arbeit hat uns längst durchdrungen.

Von Jorck hat genau darauf keine Lust. Er passt den Job seinem Leben an. Nicht umgekehrt. Freitags arbeitet er nie; der Querdenker hat schlicht keine Zeit dafür. Am morgigen Freitag zum Beispiel fährt er mit Freunden auf ein so genanntes „Subsistenz-Wochenende“: Gegenseitig wollen die Teilnehmer ihre Talente weitergeben, jeder soll so vom Anderen lernen. Etwa wie man selbst Brot backt oder sein Fahrrad repariert. Von Jorck braucht keine Karriere für die eigene Bestätigung, die schenken ihm Aktionen wie eben jenes Wochenende. Erfolg fühlt er, „wenn meine zwei kleinen Patenkinder später mal cool finden, was ich heute mache, mein Leben als bunt und vielseitig begreifen.“ Leistung bedeutet für ihn, etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu tun.

Es ist ein Umdenken, das von Jorck wagt, ein Perspektivwechsel.

Den wünschte sich irgendwann auch Gabriele Wulfers. Deswegen arbeitet die Gymnasiallehrerin aus Hattingen bei Essen auch nicht. Jedenfalls momentan nicht; Wulfers absolviert ein Sabbatjahr. Das heißt, sie gönnt sich eine einjährige Auszeit. Offiziell läuft dieses Projekt über vier Jahre: Wulfers arbeitet drei davon und bekommt das vierte frei, ihr Gehalt wird für den gesamten Zeitpunkt auf drei Viertel des Normalverdienstes heruntergestuft. Auf diese Weise steht sie auch während des Sabbatjahres nicht vollkommen ohne Verdienst da. „Eigentlich arbeite ich gerne, Lehrerin ist schon der richtige Job für mich“, sagt Wulfers, die Englisch und Katholische Religion unterrichtet. Sie hat immer gearbeitet, von zwei längeren Babypausen abgesehen. Aber irgendwann sei die Belastung zu groß geworden. „Ich wollte einfach mal rauskommen und wirklich durchatmen“, sagt sie.

Die zierliche 60-Jährige mit dem blondierten Pagenkopf und der unauffälligen Brille ist eine Macherin; wach und leicht nervös wirkt sie, so als ob sie nicht lange still sitzen könnte. In ihrer Schule hat sie über die Jahre ein neues Fach eingeführt, das sich „Sozialpraktikum“ nennt. Wulfers packt Dinge an, stemmt Projekte, kümmert sich um ihre Familie. Das war in ihrem Berufsleben schon immer so und hat sich auch jetzt nicht geändert. Für Wulfers ist Arbeit wichtig – aber sie kam nie an erster Stelle. Sie braucht den Job nicht, um ihr Leben zu füllen. Es ist auch jetzt in ihrem Sabbtjahr voll genug.

Die Liste der Dinge, die sie zu erledigen hat, ist lang: Zweimal in der Woche babysittet sie den kleinen Sohn ihrer erwachsenen Tochter, einmal in der Woche kümmert sie sich um ihre 88-jährige Mutter, Wulfers war drei Monate als Menschenrechtsbeobachterin in Palästina unterwegs, zuhause engagiert sie sich im Eine-Welt-Arbeitskreis und als Vorsitzende der Pax Christi-Bewegung Essen. Zum Urlauben ist Wulfers bislang noch gar nicht gekommen. „Aber es fühlt sich gut an, dass ich nicht arbeiten muss“, sagt sie. „Ich könnte auch ohne Schule gut weiterleben. Weil ich weiß, welche Belastung wieder auf mich zu kommt, sobald ich zurück im Job bin.“ Aber eine längere Auszeit kann Wulfers sich finanziell nicht leisten.

Sie findet, Arbeit heute sei falsch verteilt. In manchen Berufen dürfe Arbeit nicht so belastend sein, schiebt sie hinterher. Wenn sie die jungen Kollegen sieht, sage sie denen manchmal, die sollten mal etwas langsamer machen. „Es sind auch immer mehr von den jungen Lehrern, die ein Sabbatjahr nehmen“, sagt Wulfers.

Zurück in Berlin, Neukoelln. Viele Studenten und Migranten wohnen hier, junge Menschen auf der Durchreise, Freiberufler. Und eine junge Frau, die findet, die Definition von Arbeit müsse sowieso ganz neu geschrieben werden. Alix Faßmann, 31, Reporterin und freie Autorin, hat Großes im Sinn. Im Frühjahr ist ihr Buch erschienen, und wenn die Worte der Journalistin als Anpeitscher für eine neue Revolution verstanden werden können, dann ist ihr Buch das Manifest dazu – und der Titel Programm: „Arbeit ist nicht unser Leben: Anleitung zur Karriereverweigerung“, prangt in dicken schwarzen und pinken Lettern auf dem Cover. Faßmann fordert nichts weniger als das Ende des bestehenden Systems. „Arbeit ist etwas, das man organisieren muss, aber darf keine Ideologie sein“, sagt die junge Frau.

„Sie sollte demokratischer, anarchischer und einfach besser verteilt sein.“ Die jetzige Arbeitsgesellschaft sei „unfrei“ und deswegen die Verweigerung nötig. „Wir müssen uns die Freiheit gestatten, zu denken, dass wir auch ohne all diesen Quatsch leben könnten, die ganzen Zahlen auf Papier, all das Geschwätz über Wachstum, den Karrierewahn in einem absterbenden Industriezeitalter.“ Faßmann findet den Gedanken eines bedingungslosen Grundeinkommens interessant. „Der Überfluss an Geld und Gütern ist so groß wie noch nie“, sagt die junge Frau, „es braucht in jedem Fall neue Solidaritäten und einen offenen Umgang mit Bedürfnissen und Ressourcen.“

Ihre Worte lesen sich radikal, fast wütend – Gerrit von Jorck und Gabriele Wulfers wirken gegen sie gar wie die Norm. Dabei war Faßmann selbst einmal Teil jenes Apparats, den sie nun so verachtet: „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie“, erzählt sie, „war Leistungssportlerin, habe Abitur gemacht, dann in London mein Englisch perfektioniert. Anschließend ein Studium der Soziologie, parallel Praktika in den Medien und Pressestellen. Studienabschluss mit Auszeichnung, dann Volontariat als Redakteurin, direkt übernommen und in die Politik abgeworben. Voilá!“ Mit Mitte 20 hatte Faßmann alles richtig gemacht. Dazu ist sie eine attraktive junge Frau: schlank, langes dunkles Haar, gewinnendes Lächeln, ein Exempel par Excellence, bereit für den großen Erfolg. Bloß das Glücksgefühl während ihrer Arbeit als Politikberaterin wollte sich nicht einstellen. Das Gegenteil war der Fall: Sie fühlte sich gefangen, desillusioniert, jeglicher Selbstbestimmung entmächtigt. So sollte Arbeit für Faßmann nicht sein. Also kündigte sie. Kaufte sich ein „schrottiges Wohnmobil“, wie sie sagt, reiste durch Europa und dachte nach. Viel.

Das Ergebnis nennt sich „Haus Bartleby – Zentrum für Karriereverweigerung“: Gemeinsam mit dem Schriftsteller Anselm Lenz gründete Faßmann dieses Projekt, es soll einen Raum schaffen, in dem in einer Gemeinschaft neu über den Begriff Arbeit nachgedacht werden kann. Eine Art „interdisziplinäre Forschungsgruppe für einen neuen Begriff von Arbeit“, so will Faßmann das Projekt verstanden wissen. Sie und ihr Mitstreiter haben sich viel vorgenommen, dessen sind sie sich bewusst. Auch darüber, wie ernüchternd der Versuch sein kann, die (Arbeits-)Welt verändern zu wollen: Vor einiger Zeit hatte der Think Tank „Progressives Zentrum“ aus Berlin sie zu einem Vortrag eingeladen, unter dem Übergriff „Denkraum Arbeit“. So fanden sich Faßmann und Lenz schließlich in einem Hotel am Müggelsee wieder, um sie herum weiße Deckchen, vornehme Häppchen – und ausgerechnet jene Anzugträger, von denen sie sich so stark abgrenzen will. Pure Ironie sei das gewesen, sagt sie. „Wir wurden einerseits belächelt, andererseits wollte man unsere Ideen absaugen; die ganze Veranstaltung hat einen ziemlich ahnungslosen Eindruck gemacht.“

Für Faßmann selbst ist allerdings klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das jetzige Verständnis von Arbeit sich ändert. „Das Haus Bartleby existiert bereits. In Köpfen und in Sehnsüchten“, sagt die Visionärin. Damit die Idee bald konkreter wird, arbeiten die Macher derweil an einer Homepage, später soll aus dem Haus Bartleby auch ein realer Ort und Treffpunkt werden. Um genug Zeit für die neue Idee aufbringen zu können, beendete Faßmann erst einmal ihren jetzigen Vollzeitjob. Sie wird ihre Fixkosten so gering wie möglich halten, sich mit freien Auftragsarbeiten und sonstigen Jobs „so durchwurschteln“, wie sie sagt. Sicherheit und großer Wohlstand adé. Aber die Visionärin stört das nicht – es gibt so viel mehr da draußen.


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