Der Blogger René Walter. Foto: Oliver Helbig

Wege in die Versenkung

Text: Holger Fröhlich / Bild: Oliver Helbig

Wer allein arbeitet, genießt viele Freiheiten. Und muss sich selbst eine Struktur schaffen, um sich nicht zu verlieren. Drei Porträts von Freischaffenden und ihren Techniken.

„Wenn es gut läuft für René Walter, dann sitzt er drei Tage am Stück vor seinem Computer, unterbrochen nur vom Pizzaboten und ein paar Stunden Schlaf. Er schwimmt dann wie ein Wal mit offenem Maul durch seinen „River of News“ und durchkämmt das Internet nach den abseitigsten Leckerbissen für seinen Blog.Bei jeder Meldung fragt er sich: „Ist das what-the-fuck genug?“ Das kann ein Video sein, das Delfine dabei zeigt, wie sie auf Kugelfischen kauen, um high zu werden, oder die Nachricht, dass Forscher ein seltenes Akne-Bakterium nach Frank Zappa benannt haben. Neu muss es sein und wahr und irgendwie auch abgedreht – danach fischt Walter von morgens, wenn er sich vom Sofa an den Schreibtisch setzt, bis abends, wenn er sich vom Schreibtisch wieder aufs Sofa setzt.

Was andere Menschen in den Wahnsinn triebe, ist für den gelernten Schriftsetzer ein Traumjob. „Schon in den Neunzigerjahren wollte ich als Internet-Jockey über den Daten-Highway galoppieren“, sagt der Freund von Anglizismen, der als Jugendlicher ein Techno-Fanmagazin im hessischen Wolfskehlen für die lokale Dorfszene herausgab. Auflage: 100 Stück.“

erschienen in brand eins, 2014